Freitag, 18. August 2006

Im Interview: Neuer ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz spricht über seine Pläne

  • Will "starken Schwerpunkt" im Info-Bereich setzen
  • Hält Oberhauser für einen "guten Kandidaten"

Die Schwerpunkte seiner Programmreform, das Verhalten der ORF-Information im laufenden Nationalratswahlkampf sowie Vorstellungen über sein Direktoren-Team skizziert der künftige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der sein Amt am 1. Jänner 2007 antritt, im Interview mit der APA.

APA: Sie haben für 2007 die größte Programmreform in der Geschichte des ORF angekündigt. Was werden denn die Österreicher zu sehen bekommen?

Wrabetz: Neu wird es sicher Angebote im Informationsbereich geben. Erstens die Neugestaltung der "Zeit im Bild" in der Zeitzone 19.30 bis 20.15 Uhr. Hier wird es ein vermehrtes Angebot geben, verschiedene Angebote auf ORF 1 und ORF 2, mehr eigenes Angebot auf ORF 1. Zweitens brauchen wir auch einen Ausbau der Information am Wochenende, eine "ZiB 2" auch am Wochenende. Drittens werden wir den ganzen Talk-Bereich neu gestalten. Die Sendung "Offen gesagt" wird neu werden, ich möchte den Bereich Bürgersendungen ausbauen. Ich denke an ein Format ähnlich wie "Volksanwalt". Es gibt ja auch Patientenanwälte und Konsumentenanwälte etc. Im Informationsbereich wird es jedenfalls einen starken Schwerpunkt geben.

APA: Frühstücksfernsehen?

Wrabetz: Nein.

APA: Wo ziehen sie Mittel und Ressourcen ab?

Wrabetz: Am Nachmittag. Hier müssen Dinge überlegt werden.

APA: Werden die Österreicher künftig mehr Rundfunkgebühren zahlen müssen?

Wrabetz: Nein. Es gibt keine Überlegungen in diese Richtung. Eine Erhöhung ist unrealistisch, selbst wenn man wollte. Deshalb werden die Planungen für die jetzt absehbare Zeit ohne Gebührenerhöhung erfolgen.

APA: Soll es eine Änderung des ORF-Gesetzes geben und sollten dabei die Werbebestimmungen gelockert werden?

Wrabetz: Jetzt ist einmal der Nationalrat zu wählen, die Regierung neu zu bestellen und dann wird man mit einer neu gewählten Regierung und den anderen Marktteilnehmern, den Zeitungen, eine Evaluierung des Gesetzes durchführen und schauen, ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Aber ich stelle hier keine Forderungen in den Raum.

APA: Ziehen sie auch jenen Teil der Rundfunkgebühr in ihre Überlegungen ein, der derzeit an die Länder geht?

Wrabetz: Das ist eine Idee, die ich schon im Hearing angedeutet habe. Ich möchte eine Initiative bei den Ländern versuchen. 97 Millionen Euro der Rundfunkgebühren gehen ja unter verschiedenen Titeln an die Länder. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass sich das kurzfristig ändert, aber ich möchte mit den Ländern reden, ob man nicht einen Teil dieser Mittel für regionale Medienprojekte, Filmprojekte mit ORF-Landesstudios verwenden kann. Damit würde man auch regionale Wertschöpfung schaffen und die Position der Landesstudios stärken.

APA: Bedeutet ihre Wahl eine Wende im ORF?

Wrabetz: Nicht im politischen Sinn. Es ist eine Wende zum besseren - zum noch besseren.

APA: Wie wird sich ORF-Fernsehinformation im Wahlkampf verhalten, teilen Sie die Befürchtungen der Opposition, Chefredakteur Werner Mück könnte die ÖVP bevorzugen?

Wrabetz: Ich gehe davon aus, dass in der Wahlkampfberichterstattung keine Bevorzugungen oder Benachteiligungen einzelner Parteien stattfinden, sondern dass hier gesetzeskonform gehandelt wird. Ich gehe auch davon aus, dass Herr Mück, der ja im Amt ist, hier sein bestes geben wird.

APA: Planen Sie eine Beurlaubung Mücks?

Wrabetz: Nein.

APA: Das BZÖ äußert angeblich erste Wünsche bei der Programmierung der ORF-Sommergespräche. Austria-Fan Peter Westenthaler will offenbar nicht gegen die Fußball-Champions League auf ORF 1 antreten.

Wrabetz: Das ist ausschließlich Angelegenheit des Informationsdirektors, der nach sachlichen Kriterien zu entscheiden hat. Grundsätzlich versuchen wir immer, die Programmierung Fußball gegen Politik zu vermeiden. Das schadet dem Gesamtmarktanteil, da sich die Zielgruppen zu stark überschneiden. Und wenn die österreichischen Vereine weiterkommen, könnte uns das in diesem Herbst noch ein paar Mal blühen.

APA: Zum Kabinett des Dr. Wrabetz. Da werden einige Namen kolportiert ...

Wrabetz: Jetzt wird ausgeschrieben, dann gibt es Bewerbungen, dann gibt es ein Hearing mit den Bewerbern, dann werde ich einen Vorschlag machen, dann wird der Stiftungsrat entscheiden. Die Namen, die ich mir vorstellen kann, habe ich genannt. Es war bisher aber viel zu wenig Zeit für detaillierte Gespräche.

APA: Stiftungsräte, die Sie nicht gewählt haben, sprechen von einem "Kabinett des Grauens". Kritik gibt es vor allem an Elmar Oberhauser, der Informationsdirektor werden soll, sowie dem kolportierten Technischen Direktor Peter Moosmann. Der ORF-Evaluierungsbericht kritisiert den rüden Umgangston in der Fernseh-Information. Auch Oberhauser ist nicht gerade für sanfte Umgangsformen bekannt. Machen Sie da nicht den Bock zum Gärtner?

Wrabetz: Der Evaluierungsbericht kritisiert ja nicht eine klare Sprache. Mir sind aus dem Sport keine Beschwerden bekannt, wie sie im Evaluierungsbericht für die Fernseh-Information genannt wurden. Dass Oberhauser ein Mann mit Ecken und Kanten ist, ist bekannt, aber freundlich bin ich eh selber. Ich halte es nicht für ein Problem, wenn es im Team auch Leute gibt, die eine klare Sprache sprechen werden.

APA: Bei Moosmann hätten Sie keine Angst, wenn es zu einer Rechnungshofprüfung käme?

Wrabetz: Nein.

APA: Und dass der politische Gegner nun gegen den angeblichen BZÖ-Wunschkandidaten Oberhauser die Giftschränke öffnet, fürchten Sie nicht?

Wrabetz: Die Namen, die ich genannt habe sind sehr schwer parteipolitisch zu etikettieren. Jeder hat Leute, die einen mehr mögen - weniger mögen, die einen Führungsstil mögen - weniger mögen. Jeder hat Unterstützer und Gegner. Mit Oberhauser arbeite ich bei den Sportrechteverhandlungen seit fast acht Jahren zusammen. Ich glaube, dass er ein guter Kandidat ist. Er ist schwer zuordenbar, und er hat auch mit allen schon gestritten. Er ist einer der ausgewiesensten Journalisten des Landes und deshalb sehr herzeigbar und keine Frage, wer sich was wünscht, sondern eine Entscheidung, die sehr viel für sich hätte.

APA: Einige Stiftungsräte sehen in ihrem kolportierten Team nicht die angekündigte "Erneuerung an Haupt und Gliedern"

Wrabetz: Das sehe ich anders. Die Namen die kolportiert werden, das sind alles Profis, die für sehr viel Erfahrung stehen und in ihren jeweiligen Bereichen gezeigt haben, dass sie was können und für das Unternehmen was geleistet haben. Ich verwahre mich gegen ein bissl eine Wiener Arroganz gegenüber Leuten, die aus den Bundesländern kommen.

APA: Apropos Bundesländer. Wie sieht es mit den Landesdirektoren aus, haben Sie da schon die Aufstellung im Kopf?

Wrabetz: Nein. Das möchte ich mir noch überlegen. Laut Gesetz sind die Landeshauptleute zu konsultieren. Das werde ich tun, aber es wird nicht so sein, dass ich frage, wer gewünscht wird, sondern ich mache einen Vorschlag und dann ist die Meinung zu hören.

APA: Das Gehalt des ORF-Generaldirektors wird mit etwa 320.000 Euro im Jahr veranschlagt. Diskussionen gab es im Zusammenhang mit den Manager-Gehältern über das Prämiensystem. Die Prämie macht etwa 15 Prozent des Gehalts aus. Die zur Erringung der Prämie erforderlichen Ziele seien aber ohnehin so niedrig, dass man sie locker überspringt, heißt es ...

Wrabetz: Ich habe die Einführung des Prämiensystems sehr befürwortet, weil ich es für ein wichtiges Instrument der Unternehmenssteuerung halte, dass Führungskräfte auch vom Erfolg abhängig sind. Und ganz so leicht sind die Ziele nicht zu erreichen, sondern im Gegenteil, was Werbung und wirtschaftliches Ergebnis betrifft, ist das so einfach nicht gewesen. Aber es gibt regelmäßig eine öffentliche Diskussion.

APA: Das Prämiensystem soll bleiben?

Wrabetz: Ich bin schon ein Anhänger dieses Prämiensystems.

(apa/red)

18.8.2006 13:55