Montag, 14. August 2006

Stichwort: Österreichischer Rundfunk (ORF)

  • Öffentlich-rechtliches Radio- & Fernsehunternehmen

Der ORF ist Österreichs öffentlich-rechtliches Rundfunkunternehmen mit zwei Fernsehprogramm (ORF 1 und ORF 2), drei bundesweiten Radiosendern (Ö1, Ö3 und FM4) sowie neun Regionalradios in allen Bundesländern. Er ist eine Stiftung und "gehört" der österreichischen Allgemeinheit. An seiner Spitze steht derzeit eine Generaldirektorin, unterstützt durch ein sechsköpfiges Direktorium.

Mehr als die Hälfte seiner Einnahmen lukriert der ORF aus Rundfunkgebühren, die jeder Bürger bezahlen muss, sofern er ein Empfangsgerät besitzt. Eine weitere wesentliche Finanzierungssäule ist die kommerzielle Werbung. Mit Ende 2005 betrug der Mitarbeiterstand 4.561.

Das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit belief sich im Vorjahr auf 51,7 Millionen Euro und war damit unüblich hoch für das Unternehmen, das ansonsten um eine "Schwarze Null" in der Bilanz bemüht ist. Verantwortlich war im Vorjahr die Veräußerung von 40 Prozent an der Sendetechnik-Tochter ORS an Raiffeisen. Weitere Töchter des ORF sind unter anderem der Werbevermarkter ORF-Enterprise (100 Prozent), das Gebührenkassier-Unternehmen GIS (100 Prozent) und der Spartensender TW1, auf dem auch ein Sportkanal logiert (100 Prozent).

Der ORF agiert auf Basis des ORF-Gesetzes. 2001 wurde das frühere Rundfunkgesetz, mit dem 1967 die Ära des modernen öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich eingeläutet wurde, grundlegend geändert. Oberstes Aufsichtsgremium ist seitdem der Stiftungsrat (früher Kuratorium), die Hörer- und Sehervertretung wird vom Publikumsrat wahrgenommen. Die Funktionsperiode dieser Gremien dauert vier Jahre, jene des Generaldirektors sowie des übrigen Direktoriums fünf Jahre.

Zeit seines Bestehens sieht sich der ORF Vorwürfen ausgesetzt, am Gängelband der jeweils Regierenden zu agieren. 1964 führte dies zum legendären Rundfunk-Volksbegehren, in den 80er und 90er Jahren sah so manch (schwarzer) Kritiker die "roten Gfrießer", also die SPÖ, am Werk. Derzeit wiederum wird der ÖVP unterstellt, dass ihr Klubobmann Wilhelm Molterer gar mittels "Moltophon" in die Redaktion hineinzuregieren beliebe.

Ein Thema, das in Zeiten des doppelten Wahlkampfes besonders brisant ist. Nur wenige Wochen nach der Wahl des Generaldirektors am kommenden Donnerstag steht am 1. Oktober die Nationalratswahl auf dem Programm. Zumindest bis zu diesem wichtigen innenpolitischen Termin, ist auf dem Küniglberg nicht mit Ruhe zu rechnen. Hier, in Hietzing mit Blick über ganz Wien, residiert der ORF gleich einer Trutzburg. Das von Architekt Roland Rainer entworfene Gebäude ist übrigens sanierungsbedürftig. Ob es renoviert wird oder der ORF neu baut, ist derzeit noch Gegenstand ORF-interner Prüfungen. (apa)

14.8.2006 14:55