Wrabetz erfreut über Wahl zum neuen ORF-General: Umfangreiche Reformen geplant
- Besonders TV-Information soll neu gestaltet werden
- SPÖ-naher Kandidat erhält 20 von 35 Stimmen

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der Monika Lindner
Verlust der Bundesliga als großer Minus-Punkt
Der neue ORF-Generaldirektor heißt Alexander Wrabetz. Mit seiner Wahl - und das gegen den Willen der ÖVP und von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel - ist dem Kaufmännischen Direktor eine Sensation gelungen. Auf Wrabetz entfielen gleich im ersten Wahlgang 20 von 35 möglichen Stimmen im Stiftungsrat. Die unterlegene ORF-Chefin Monika Lindner kam auf 12 Stimmen. Zwei Stiftungsräte stimmten für Wolfgang Lorenz. Der Vorsitzende und BZÖ-nahe Stiftungsrat Klaus Pekarek enthielt sich der Stimme. Der bisherige ORF-Finanzchef löst Lindner damit per 1. Jänner 2007 an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Senders ab.
Hoch erfreut über die überaus breite Zustimmung im Stiftungsrat zeigte sich Wrabetz in einem ersten Pressegespräch "Durch die Zustimmung aus allen Lagern" - so Wrabetz - "sehe ich mich nicht einzelnen Gruppierungen, sondern ausschließlich dem Publikum und dem Stiftungsrat verpflichtet." Der neu gewählte Generaldirektor nannte vier Bereiche, in denen der ORF als erfolgreichstes öffentlich-rechtliches Unternehmen Europas gestärkt werden müsse, "um im Wettbewerb und angesichts neuer Herausforderungen erfolgreich zu sein": Durch die Neugestaltung der TV-Information "soll das volle Vertrauen in Unabhängigkeit und Objektivität wiederhergestellt werden". Weiters will Wrabetz "eine umfangreiche Programmreform gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern initiieren und umsetzen". Dritter Punkt ist die gemeinsame Erneuerung des Unternehmens, die ebenfalls gemeinsam mit der Belegschaft erfolgen soll. Als vierten Punkt nannte Wrabetz "die Neudefinition der Mission des ORF im digitalen Zeitalter."
Schwere Schlappe für ÖVP
Wrabetz gelang mit seiner Bestellung an die Spitze des ORF ein Überraschungscoup, den Kenner des innenpolitischen quid-pro-quo bis zuletzt für unmöglich hielten. Für die ÖVP bedeutet die Wahl von Wrabetz sechs Wochen vor der Nationalratswahl eine deftige Schlappe. Der SPÖ-nahe Kandidat wurde im ORF-Stiftungsrat von einer Regenbogenkoalition von SPÖ, BZÖ, Grünen, FPÖ und Unabhängigen unterstützt: Er wurde von elf SPÖ- und vier BZÖ-Stiftungsräten, dem FPÖ-Vertreter Peter Fichtenbauer, dem Grünen Pius Strobl und dem unabhängigen Betriebsrat Gottfried Graf gewählt. Darüber hinaus stimmten auch die zwei ÖVP-nahen Betriebsräte Heinz Fiedler und Roland Schmidl für den derzeitigen ORF-Finanzchef. Lindner zog vor allem Stimmen die VP-Stiftungsräte auf sich. Sie kommentierte ihre Niederlage mit einer knappen Stellungnahme: "Der Stiftungsrat hat eine Wahl getroffen. Ich wünsche dem ORF eine gute Zukunft."
Übergangsfrist ab Montag
Wrabetz sprach von einem "überwältigenden Augenblick": "Ich bin froh über dieses sehr breite Vertrauen." Die "Hofübergabe" von Lindner an ihren Nachfolger soll planmäßig am 1. Jänner 2007 erfolgen, ab Montag beginne allerdings die Übergangsfrist, erklärte der Stiftungsratsvorsitzende Klaus Pekarek bei einer Pressekonferenz. Nach einstimmiger Willenserklärung des Stiftungsrates sollten in dieser Zeit, wichtige Entscheidungen Lindners mit ihrem Nachfolger abgestimmt werden.
Nun gelte es laut Wrabetz unverzüglich die Ausschreibung für die Posten der Direktoren vorzunehmen. Ihre Wahl soll am 21. September erfolgen. Wrabetz hatte im Hearing bereits Namen genannt - "sich nicht zu äußern hätte ich für eine nicht notwendige Geheimnistuerei gehalten". Es habe bereits Gespräche mit den Kandidaten gegeben - fixe Zusagen gäbe es aber noch keine - zumal "manche bis vor wenigen Stunden noch heftige Konkurrenten waren", meinte er in Richtung Wolfgang Lorenz, den er als Programmdirektor vorsieht. Auf die Frage, ob es in seinem Team auch einen Generalsekretär gäbe, sagte Wrabetz, das werde er entscheiden, wenn die Direktoren stehen.
"Hervorragende Leute"
Den Nachfolger für seinen bisherigen Posten des Kaufmännischen Direktors hatte sich der designierte Generaldirektor bisher offen gelassen - es soll vielleicht eine Frau werden, sicher aber ein "Topprofi". Auf die Frage: "Aus dem Haus?" meinte er: "Das schließe ich nicht aus." Die übrigen Kandidaten sollen dem Vernehmen nach ORF-Sportchef Elmar Oberhauser als Informationsdirektor sein, der Kärntner Programmchef Willy Haslitzer ist als Hörfunkdirektor vorgesehen. Technischer Direktor soll Peter Moosmann werden, Onlinedirektor ORF-Marketingchef Thomas Prantner. Auf die Frage, ob er diese Liste als "Dreamteam" bezeichnen würde, wie vor fünf Jahren Monika Lindner ihr Team tituliert hatte, meinte Wrabetz: Da müsse man ein anderes Wording finden, aber in jedem Fall "sind das hervorragende Leute". Ein Paar Namen seien "auch hier in der Runde (anwesend waren Journalisten und ORF-Mitarbeiter) absolut unumstritten, bei anderen sage ich jetzt mal: da sollte man nicht so wienerisch denken".
(apa/red)
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