Donnerstag, 17. August 2006

Weiterer Erfolg für britische Terrorfahnder:
Ermittler finden Sprengsatz in Waldstück

  • Polizei befindet sich offenbar auf der richtigen Spur
  • Untersuchungshaft gegen Verdächtige verlängert

Britische Terrorfahnder haben einen Koffer mit Material für einen Sprengsatz gefunden. Das Gepäckstück wurde in einem Waldgebiet bei High Wycombe in der Nähe von London gefunden, berichtet die BBC. Das Gebiet steht seit Tagen im Zentrum des massiven Polizeieinsatzes wegen der mutmaßlich geplanten Attentate auf Passagierflugzeuge. Der Kofferfund wurde als Hinweis darauf gewertet, dass sich die Polizei auf der richtigen Spur befindet.

Zuvor hatte eine Gericht in London entschieden, dass 23 mutmaßliche Flugzeug-Terroristen weiter ohne Anklageerhebung verhört werden können. Das Gericht gewährte Scotland Yard erwartungsgemäß eine Verlängerung der Untersuchungshaft um weitere sieben Tage sowie in zwei Fällen um weitere fünf Tage.

Insgesamt dürfen Terrorverdächtige nach den neuen britischen Anti- Terror-Gesetzen bis zu 28 Tage ohne Anklageerhebung festgehalten und vernommen werden. Allerdings müssen Gerichte nach sieben sowie nach 14 Tagen jeweils die Gründe dafür prüfen und Haftverlängerungen genehmigen.

Scotland Yard hat im Zusammenhang mit der Aufdeckung mutmaßlicher Pläne zur Sprengung von bis zu zehn Passagiermaschinen seit dem 10. August 25 Verdächtige festgenommen. Zwei von ihnen wurden in den letzten Tagen ohne Anklageerhebung frei gelassen. Das Gericht erlaubte die Verlängerung der Untersuchungshaft von 21 Verdächtigen für sieben und von zwei Verdächtigen für fünf Tage.

Scotland Yard begründete die Anträge auf Verlängerung der Haft unter anderem damit, dass die Untersuchung sehr umfangreich und kompliziert sei. Dazu gehörten nicht nur Vernehmungen, sondern auch die Durchsuchung von Wohnungen sowie möglichen Verstecken für Materialien zum Bau von Sprengkörpern im Freien.

Die britische Polizei hat schon in der vergangenen Woche zwei weitere Personen wegen des Verdachts terroristischer Aktivitäten festgenommen, wie erst jetzt bekannt wurde. Der Mann und die Frau, die aus Algerien stammen sollen, wurden im walisischen Hafen Holyhead in Gewahrsam genommen, teilten die Sicherheitskräfte mit. Ein direkter Zusammenhang zur Großfahndung wegen möglicher Attentate auf Passagierflugzeuge bestehe aber nicht.

Terrorpläne mit Billigung der Al-Kaida
Die Anschlagspläne sollen nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen vom stellvertretenden Führer des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida gebilligt worden sein. Die aktuellen Ermittlungen zeigten, dass die Führer des Komplotts mit dem Einverständnis von Ayman al-Zawahri vorgegangen seien, teilte ein hoher Geheimdienstfunktionär der Nachrichtenagentur AP mit.

Flugverkehr normalisiert sich
Nur eine Woche nach den vereitelten Anschlägen auf Transatlantikflüge hat sich der Flugverkehr in London wieder weitgehend normalisiert. Die Fluglinie British Airways (BA) musste nach Angaben eines Sprechers nur 19 Kurzstreckenflüge stornieren. "Freitag müsste der Betrieb wieder vollständig sein," sagte der Sprecher der größten Airline am Londoner Flughafen Heathrow. In den vergangenen sieben Tagen hatte BA 1900 Flüge gestrichen.

Auch am Mittwoch musste das Unternehmen 35 Flüge in Heathrow und elf auf dem kleineren Flughafen Gatwick ausfallen lassen. Inzwischen konzentrierten sich laut British Airways die Anstrengungen darauf, die im Chaos verloren gegangenen Gepäckstücke den etwa 5000 betroffenen Besitzern zu übergeben. Am Donnerstagnachmittag wurden nur noch einige Hundert Koffer und Taschen vermisst.

(apa/red)

17.8.2006 20:49