Montag, 14. August 2006

Leichte Entspannung: Großbritannien senkt Terrorwarnung von 'kritisch' auf 'ernsthaft'

  • Handgepäcks-Verbot für Passagiere aufgehoben
  • Klingelndes Handy zwang Flugzeug zur Umkehr

Die britische Regierung hat am Montag die höchste Terrorwarnstufe aufgehoben und damit den Reisenden an den noch immer überfüllten Flughäfen Hoffnung gemacht. In Großbritannien gilt nun die zweithöchste Warnstufe "ernst". Innenminister John Reid betonte, dieser Schritt bedeute nicht, dass die Gefahr gebannt sei. Das Verkehrsministerium kündigte eine Lockerung der Sicherheitsbestimmung für die Mitnahme von Handgepäck an, die der Flughafen Heathrow und andere Großflughäfen ab Dienstag umsetzen wollten. Am Mittwoch beraten in London eine Reihe von EU-Außenministern über Anti-Terror-Strategien.

Die Terrorwarnstufe war am Donnerstag auf "kritisch" angehoben worden, nachdem die Behörden 24 Terrorverdächtige festgenommen hatten. Sie sollen Anschläge auf Passagierflugzeuge geplant haben. Eine der verdächtigen Personen war am Freitag wieder freigelassen worden. Reid erklärte, die Herabsetzung der Warnstufe sei keine Reaktion auf die immer noch chaotischen Zustände an den Flughäfen, sondern gehe auf Erkenntnisse der Geheimdienste zurück. "Es besteht aber noch immer die sehr ernste Bedrohung durch einen Anschlag", sagte Reid. "Die Warnstufe beträgt 'ernst', was auf eine hohe Wahrscheinlichkeit eines versuchten Terroranschlags hindeutet. Ich fordere die Öffentlichkeit auf, wachsam zu bleiben."

Ab Dienstag dürfen Passagiere wieder ein Stück Handgepäck mit in die Kabine nehmen, wenn es nicht länger als 45 Zentimeter ist. Auch Bücher, Laptops und digitale Abspielgeräte sollten dann wieder erlaubt sein. Flüssigkeiten mit Ausnahme von Medikamenten und Babynahrung durften weiterhin nicht mitgenommen werden.

In den Vereinigten Staaten reduzierte das Heimatschutzministerium die Warnstufe für Flüge aus Großbritannien von rot auf orange. Heimatschutzminister Michael Chertoff betonte, die Bedrohung sei noch nicht vorüber. Ein völliges Verbot von Handgepäck in der Kabine stehe derzeit aber nicht zur Debatte.

Ein Flugzeug der British Airways auf dem Weg nach New York musste eine Stunde nach dem Start nach London zurückkehren, nachdem ein Mobiltelefon geklingelt hatte. Ein Sprecher der Fluggesellschaft erklärte, es sei verdächtig, dass sich niemand gemeldet habe, dem das Telefon gehöre. Daher habe der Pilot beschlossen, den Flug abzubrechen.

Wegen der aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen mussten auch am Montag wieder Flüge von britischen Flughäfen abgesagt werden. British Airways strich ein Fünftel seiner geplanten Flüge von Heathrow. Tausende Menschen standen an den Schaltern in den Abflughäfen Schlange, manche mussten sogar draußen im Regen warten. Flughafenmitarbeiter verteilten Regenschirme und Plastikponchos.

Innenminister Reid lobte die Geduld der Flugreisenden, die in den vergangenen Tagen vieles ertragen hätten. "Ich glaube, die Ereignisse der vergangenen Tage waren ein Sieg für das britische Volk, seinen Verstand, seine Geduld und seine Nachsicht", sagte Reid. "Wir wissen, es ist wahrscheinlich, dass die Terroristen erneut versuchen werden, uns anzugreifen. Wir sind nicht selbstzufrieden."

Reid trifft sich Mittwoch in London mit einigen seiner EU-Kollegen zusammen, um über neue Antiterrormaßnahmen im Luftverkehr zu beraten. An dem Treffen nimmt unter anderen auch der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble teil.

(apa/red)

14.8.2006 19:03