Montag, 14. August 2006

Waisenhaus in Sri Lanka bombardiert:
Über 61 Mädchen bei Militärangriff getötet

  • Opfer nahmen gerade an Erste-Hilfe-Ausbildung teil
  • Luftangriff fordert rund 130 zum Teil schwer Verletzte

Die tamilischen Rebellen in Sri Lanka haben den Regierungstruppen am Montag die Tötung von 76 Menschen bei Angriffen auf ein Kinderheim und eine Kirche vorgeworfen. Auf einer den Rebellen nahe stehenden Website hieß es, bei dem Angriff auf das Kinderheim seien am Morgen 61 Mädchen getötet worden, die an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen hätten. Der Luftangriff auf die Kirche am Sonntag habe mindestens 15 Menschen das Leben gekostet. Die Regierung wies beide Vorwürfe zurück.

Bei dem im nordöstlichen Bezirk Mullaitivu aus der Luft angegriffenen Gebäude habe es sich nicht um ein Kinderheim, sondern um einen Stützpunkt der Rebellen gehandelt, erklärte ein Sprecher der Luftwaffe, Hauptmann Ajantha Silva. Ein Mitarbeiter einer internationalen Beobachterkommission, der anonym bleiben wollte, sagte dagegen, es sei ein Kinderheim getroffen worden. Einer seiner Kollegen sei dort gewesen und habe in einem nahe gelegenen Krankenhaus 19 Leichen gesehen. Die Toten seien zwischen 17 und 20 Jahren alt und offenbar Schüler.

Zu dem angeblichen Angriff auf eine Kirche erklärte Militärsprecher Upali Rajapakse, die Regierungstruppen hätten das Gotteshaus nicht angegriffen. Vielmehr hätten die Rebellen auf Soldaten geschossen, die in die Kirche gekommen seien, um dort die versteckten Rebellen zu vertreiben. Den Angaben der Rebellen zufolge hatten Zivilpersonen in der Kirche der Ortschaft Allaipiddy vor den anhaltenden Kämpfen Schutz gesucht. 34 Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden, hieß es bei TamilNet.

Allaipiddy liegt auf einer Insel westlich der Halbinsel Jaffna, um die sich Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) und Regierungssoldaten am Wochenende heftige Kämpfe lieferten. Jaffna, ein Zentrum der tamilischen Minderheit, befindet sich seit mehr als einem Jahrzehnt in der Hand der Regierungstruppen. Kämpfer der LTTE begannen am Samstag eine Offensive, um die Halbinsel wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Norden Jaffnas sowie im Osten des Landes kam es auch am Montag wieder zu heftigen Gefechten. Ein ranghoher Vertreter der Rebellen schloss die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit der Regierung aus.

In der Hauptstadt Colombo entging am Montag der pakistanische Botschafter Basir Ali Mohmand knapp einem Anschlag. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich nach Angaben der Regierung in die Luft, als ein Konvoi mit der Familie Mohmands die Straße passierte. Dabei seien sieben Menschen getötet worden. Der Hochkommissar sei unverletzt geblieben. Die Regierung machte die LTTE für den Anschlag verantwortlich.

Unterdessen rief die Schweiz die Regierung Sri Lankas und die Rebellenorganisation LTTE am Montag zu Verhandlungen auf und bot sich dafür als Gastgeberland an. Man wolle damit die Vermittlungsbemühungen Norwegens unterstützen, erklärte das Berner Außenministerium am Abend. Die Schweiz sei bereit, denselben Beitrag zu leisten wie im Februar, als sich die Konfliktparteien unter norwegischer Vermittlung in der Nähe von Genf getroffen hatten.
(apa/red)

14.8.2006 19:44