Mehr Förderung für Kinder: Ganztägige Schulen ausbauen, Nachhilfe eindämmen
- 80 % der Pflichtschüler-Eltern helfen bei Aufgaben
- AK-Kritik: Hohe Kosten schon in der Pflichtschule
·Schule: Sitzenbleiben ein "Auslaufmodell"?
AK: Kosten bei 600 Mio. . ÖVP: "realitätsfremd"
Die Arbeiterkammer fordert ein flächendeckendes Angebot an ganztägigen Schulen, um die individuelle Förderung der Kinder zu verbessern und teure Nachhilfe zu vermeiden. Dabei stützt sich die AK auf eine Umfrage des SORA-Instituts (3.600 Befragte), wonach knapp 80 Prozent aller Eltern von Pflichtschülern mindestens einmal die Woche bei den Hausübungen helfen müssen und 14 Prozent der Familien mit Kindern im Pflichtschulalter private Nachhilfe zahlen. Auf der anderen Seite habe jeder fünfte Befragte (21 Prozent) ein Problem, weil es keine Nachmittagsbetreuung gebe.
Vor allem die Mütter würden zu "Nachhilfelehrern der Nation", meinte AK-Schulexperte Kurt Kremzar. In der Volksschule müssten 63 Prozent der Eltern bei den Hausübungen helfen, in der Hauptschule und AHS-Unterstufe braucht rund jedes dritte Kind Unterstützung.
Als überraschend hoch wertet Kremzar die Nachhilfekosten bereits im Pflichtschulalter. Sogar in der Volksschule würden fünf Prozent der Familien mehr als 70 Euro pro Monat für Nachhilfe zahlen. "Nachhilfe schon in diesem Alter ist unzumutbar, offenbar ist die Förderung in der Schule nicht ausreichend", sagte der AK-Experte, für den die Halbtagsschule ein "Auslaufmodell" ist.
Deshalb fordert die AK einen flächendeckenden Ausbau der Ganztagsschulen, wo Lernen, Üben und Freizeit abwechselnd von 8.00 bis 15.30 Uhr verteilt sind. Das derzeitige Angebot sei völlig unzureichend: 76 Prozent der Volksschüler könnten nur eine Halbtagsschule besuchen, weil es keine Ganztagsschulen in der Nähe gebe.
Bestärkt in ihrer Forderung sehen sich die Arbeitenehmervertreter in der SORA-Umfrage. Demnach wünscht sich mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Eltern mit Nachwuchs im Kindergartenalter eine ganztägige Schulbetreuung, wenn ihr Kind in die Volksschule kommt. Bei einem durchschnittlichen Jahrgang von rund 80.000 Erstklasslern würde dies alleine einen Bedarf von 40.000 Betreuungsplätzen bedeuten, so Kremzar.
(apa/red)
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