Donnerstag, 17. August 2006

Nach Bärenattacke in Oberösterreich: Bauernkammer fordert sofortigen Abschuss

  • WWF dagegen: Ansiedlung weiterer Bären notwendig
  • Schäden für totes Kalb zahlt die Versicherung

Nach der vermutlichen Attacke eines Bären, der am Wochenende ein ein Monat altes Kalb auf einer Alm im Bezirk Steyr-Land gerissen haben soll, fordert die Bauernkammer den Abschuss des Tieres. Das wird vom WWF "strengstens zurückgewiesen". Im Gegenteil: Die Ansiedlung weiterer Bären sei notwendig. Das findet der Bauernvertreter "empörend".

Der für die Beratung der Landwirte in Fragen der Alm- und Weidebewirtschaftung zuständige Hans Brenn von der Bezirksbauernkammer Steyr-Land verweist darauf, dass es in den vergangenen Jahren mehrere von Bären verursachte Schäden gegeben habe und er forderte: "Der Bär muss zur Strecke gebracht werden".

Die Leiterin des WWF-Bärenprojektes Beate Striebel widersprach: "Das muss ich strengstens zurückweisen". Es gebe für das Bärenprojekt einen genauen Management-Plan, ab wann ein Abschuss in Frage komme, davon sei man noch weit entfernt. Das sei "kein Thema". Striebel zog einen Vergleich mit dem in Bayern erlegten "Problembär Bruno". Dieser sei im Gegensatz zu dem oberösterreichischen Tier aktiv in die Siedlungen eingedrungen.

Die Bärenexpertin betonte, die derzeit in Österreich lebenden 20 Bären seien zu wenig, damit die Population langfristig überleben könne. Im Ötschergebiet, wo es regelmäßig Nachwuchs gebe, lebe nur ein Vater, das sei auf die Dauer "nicht besonders gesund". Damit sich mehr Bären ansiedeln, müssten die natürlichen Wanderwege der Tiere offen gehalten werden. Auch Wildfänge in Slowenien, die in Österreich freigelassen werden, seien möglich. Das sei vor 17 Jahren bereits einmal erfolgt. Damals waren es drei, nachträglich betrachtet seien es zu wenig gewesen.

Brenn erklärte, derartige Aussagen seien "empörend". Angesichts der Schäden könne niemand für die Ansiedlung von Bären sein, stellte er gegenüber der APA fest. Dass die Schäden versichert seien, sei nur eine Sache, aber die Bauern hätten auch eine emotionale Bindung an ihre Tiere.

Striebel gestand ein, dass eine derartige Aktion gut vorbereitet werden müsse, vor allem sei es notwendig, ausreichend Akzeptanz zu schaffen. Sie verstehe schon, dass es für die Bauern keine einfache Situation sei, wenn ein Kalb gerissen werde. Doch das sei für ein Raubtier ein normales Verhalten. Auch wenn ein Fuchs im Hühnerstall gewesen sei, bedeute der Anblick einen emotionalen Schock. Wie könnten die Österreicher von den Indern verlangen, dass sie die Tiger schützen, wenn sie ihre Bären töten, fragte sie. Wobei für einen indischen Bauern ein getötetes Rind existenzbedrohend sei, für einen österreichischen nicht, denn dafür gebe es eine Versicherung. Sie habe auch Verständnis für die emotionale Bindung der Bauern an ihre Tiere, gebe aber zu bedenken, dass diese Nutztiere seien, die zuletzt geschlachtet werden. (apa/red)

17.8.2006 11:30