Mittwoch, 16. August 2006

Der Frust steigt: Arbeitsbedingungen für heimische Spitalsärzte immer schlechter!

  • Krankenhausmediziner arbeiten 59 h pro Woche
  • Leiden unter Zeitmangel und enormer Bürokratie

Österreichische Spitalsärzte leiden unter immer schlechteren Arbeitsbedingungen. Wie eine von der Ärztekammer bei IFES in Auftrag gegebene Studie belegt, steigen Wochenarbeitszeit und bürokratischer Aufwand ständig an. Zeitdruck und Personalmangel wirken sich extrem demotivierend aus und führen zu Frustration. Jeder zweite Befragte gab an, dass seine Arbeit im Krankenhaus unangenehmer geworden sei.

Laut einer Umfrage unter 2.000 Spitalsärzten arbeiten bereits 36 Prozent regelmäßig mehr als die gesetzlich festgelegte Halbjahres-Obergrenze von durchschnittlich 60 Wochenstunden. "Gut die Hälfte kommt sogar über das erlaubte Wochenmaximum von 72 Stunden - und 14 Prozent erreichen sogar Werte von 100 Stunden und mehr", berichtete Georg Michenthaler, Studienleiter bei IFES.

Die Studie lieferte weitere ernüchternde Ergebnisse: Der Zeitanteil für direkte Arbeit mit und am Patienten ist von 63 Prozent im Jahr 2003 auf 58 Prozent im Jahr 2006 geschrumpft. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der administrativen Aufgaben um 13 Prozent gestiegen und beträgt mittlerweile 34 Prozent der Gesamtarbeitszeit. Harald Mayer, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, bezeichnete den Zeitmangel der Mediziner für ihre Patienten im Rahmen einer Pressekonferenz als "zutiefst erschütternd".

Ähnlich deutlich analysierte Michenthaler: "Die Daten spiegeln die Grundtendenz wider, dass die gleich bleibend schlechten Rahmenbedingung zu immer mehr Frustration, Demotivation und Resignation führen. Besonders in der nachwachsenden Ärztegeneration schwindet dabei offenbar die Hoffnung, es könne sich noch etwas zum Besseren wenden." Die "unverändert schlechten Arbeitsbedingungen" würden es den Medizinern enorm schwer machen, Freude an ihrer Arbeit zu finden.

Heftige Kritik übte Kurienobmann Mayer in diesem Zusammenhang an der heimischen Gesundheitspolitik: "Es wird eine Qualitätsdiskussion geführt, doch niemand bekennt sich zur simpelsten Maßnahme der Qualitätssicherung: Der Einhaltung gesetzlich vorgegebener Arbeitszeiten." Die Bundesregierung nehme diesen "peinlichen und für die Patienten sogar gefährlichen Dauerzustand" in Kauf, gleichzeitig schüre sie eine "nicht enden wollende Debatte über ärztliche Fehler und Fehlermanagement". (apa)

16.8.2006 12:36