Mittwoch, 28. Februar 2007

Heute in Plastik, eigentlich aber uralt:
Führerschein feierte den 100. Geburtstag

  • Wagenlenkerprüfung in Österreich seit 1906 Pflicht
  • Technikprüfung war damals wichtiger als Fahrprüfung

In Österreich liegt die Geburtsstunde der amtlichen Führerscheinprüfung mehr als 100 Jahre zurück. Eine Ministerialverordnung, die für den österreichischen Teil der K. und K.-Monarchie galt, schrieb 1906 die Einführung von Erkennungszeichen (Kfz-Kennzeichen) sowie die Prüfung der Wagenlenker vor, berichtet der ARBÖ.

Bereits einige Jahre früher wurde in Frankreich die allererste Führerscheinprüfung abgehalten. Am 14. August 1893 verordnete der damals neu ernannte Polizeipräsident Louis Lepine für alle Besitzer von "Motorwägen" eine Prüfung an. Geprüft wurden die ersten mutigen Führerscheinanwärter von Bergbauingenieuren, die sich zum damaligen Zeit im Bereich der Technik am besten auskannten. "Die Angst vor der Maschine war damals groß, darum wurde vor allem die Technik des Vehikels und weniger der Lenker geprüft", erzählte Christian Rapp, vom technischen Museum Wien.

Erste Genehmigung 1892
In Österreich begannen die ersten Anzeichen für Fahrgenehmigungen bereits 1892. Graf Siegfried Wimpffen suchte damals bei der Wiener Polizei - Referat für Spektakel - um eine Genehmigung zum Betrieb eines Dampf-Automobils an. "Im Rahmen einer Dampfkesserprüfung wurde die Maschine auf ihre Tauglichkeit.", so Rapp. Eine Kommission, der der Rektor der Wiener Technischen Hochschule sowie Beamte des Magistrates und der Polizei angehörten, erteilten dann die erste Konzession". Bis zur nächsten Genehmigung dauerte es allerdings vier Jahre: 1896 erhielt Ludwig Lohner die Berechtigung zum Betrieb eines Benzin-Motorwagens.

1896 kam Verkehrsregelung
Im selben Jahr erteilte der Statthalter im Erzherzogtum Österreich unter der Enns eine Verordnung zur landesgesetzlichen Regelung für den Kraftfahrzeugverkehr, die Bestimmungen für das Fahren mit Automobilwagen und Motorrädern festlegte. In der Verordnung findet man auch die Linksfahrordnung für Niederösterreich. Von den wenigen Automobilisten, die damals unterwegs waren, hielt sich jedoch kaum jemand daran. Außerdem gab es niemanden, der den Verkehr regelte. Auch Vorrangregeln oder Verkehrszeichen fehlten noch.

Der Deckel im Laufe der Zeit
Auch in der jüngeren Geschichte des Führerscheins und der dazugehörigen Prüfung hat sich einiges verändert: 1998 wurde die mündliche Prüfung durch Fragen aus dem Computer ersetzt. Seit 2003 gibt es die so genannte Mehrphasenausbildung für Führerscheinkandidaten. Am 1.Juli 2005 wurde in Österreich das Vormerksystem eingeführt, seit dem 1. März 2006 gibt es den 1955 geborenen rosa Schein nur mehr in Scheckkartenformat und aus widerstandsfähigem Plastik. (APA/red)

28.2.2007 15:00