Wrabetz neuer ORF-General: Regenbogen- Kandidat gelingt der Überraschungscoup!
- SP-naher ORF-Mann mit freiheitlichen Familienwurzeln

Mit seiner Wahl zum ORF-Generaldirektor - und das gegen den Willen der ÖVP und von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel - ist Alexander Wrabetz eine Sensation gelungen. Einen ähnlichen Überraschungscoup hatte bisher nur der bürgerliche "Tiger" Gerd Bacher geschafft, als er 1978 vom Kuratorium gegen den ausdrücklichen Wunsch von SPÖ-Kanzler Bruno Kreiskys völlig unerwartet zum Generalintendanten gekürt wurde.
Dem SP-nahen Wrabetz gelang dieses "Meisterstück" unter verschärften Bedingungen, nämlich in offener Abstimmung. Während es bei Bacher auf Grund der geheimen Abstimmung im obersten ORF-Aufsichtsgremium Jahre dauerte, um die "Verräter" unter den Kuratoriumsmitgliedern ausfindig zu machen, liegen die "Abtrünnigen" auf dem Tisch: Es sind dies die vom BZÖ entsandten Stiftungsräte, die dem Bundeskanzler mit ihrer Stimme für den bisherigen Kaufmännischen Direktor eine empfindliche Niederlage beschert haben.
Schüssel, wie auch seine Partei, hatten den SP-nahen Wrabetz in den vergangenen Wochen offenbar unterschätzt. Wrabetz zählte bis zuletzt zu den Unterstützern Lindners und hielt ihr in den vergangenen fünf Jahren in wirtschaftlichen Dingen den Rücken frei. Seine Verlängerung als Finanzdirektor unter einer wiedergewählten ORF-Chefin Lindner galt deshalb lange Zeit als fix.
Da die SPÖ aber die Unterstützung Lindners und vor allem die des von ihr vorgesehen Informationsdirektors Werner Mück verweigerte, stellte der ÖVP-"Freundeskreis" im ORF-Stiftungsrat im Gegenzug Wrabetz in Frage. Der Umstand, dass Lindner in ihrem Bewerbungskonzept dem Stiftungsrat unter dem Punkt "Zuständigkeitsverteilung" einen Kompetenz-Abzug aus der Kaufmännischen Direktion vorgeschlagen hatte, traf Wrabetz persönlich und führte schließlich zu seiner eigenen Kandidatur gegen die Chefin. Wrabetz, dessen Kompetenzen und offene Kommunikationsformen unter Stiftungsräten quer durch alle Lager geschätzt wurden, nutzte ein "Mondfenster" und sorgte selbst für die Architektur einer überparteilichen "Regenbogenkoaliton", die ihn schlussendlich zum Chef von Österreichs Medienriesen kürte.
Die politische Gesinnung von Wrabetz ist kein Geheimnis: Er war Bundesvorsitzender der SPÖ-Studentenorganisation VSStÖ und organisierte 1983 den erfolgreichen Vorzugsstimmen-Wahlkampf für den heutigen Mediensprecher Josef Cap. Ursprünglich stammt der promovierte Jurist aus einem freiheitlichen Elternhaus. Sein Vater war in den 70er Jahren Parteianwalt der FPÖ. Das rote Engagement des jungen Alexander registrierte man in seiner Familie damals mit Überraschung, wie es heißt. Dass Wrabetz als SPÖ-Mann im ORF gilt, kommentierte dieser in der Vergangenheit gelassen: "Offensichtlich ist das Bedürfnis in Österreich sehr stark, dass jeder zwei bis drei Punzierungen hat. Dem entkommt man nicht."
Der dreifache Vater, der mit einer Ärztin verheiratet ist, wurde am 21. März 1960 in Wien geboren. Seine Karriere startete er zunächst im Bankenbereich. Von 1987 bis 1992 war er als Assistent des Vorstands der Österreichischen Industrieholding AG für Hugo Michael Sekyra tätig. 1992 zog er als Geschäftsführer in das ÖIAG-Handelshaus Intertrading ein, von dort wechselte er als Vorstand zur ÖIAG-Tochter Vamed. Darüber hinaus übernahm er diverse Aufsichtsratsfunktionen innerhalb der ÖIAG und war auch Mitglied des ORF-Kuratoriums, dem heutigen Stiftungsrat.
1998 wurde Wrabetz vom damaligen ORF-Generalintendanten Gerhard Weis zum Kaufmännischen Direktor des ORF gekürt. Im Jahr 2002 wurde er von Monika Lindner - als einziger in der ORF-Führungsriege - in dieser Position bestätigt. Zuletzt präsentierte der Kaufmännische Direktor gemeinsam mit Lindner eine Rekordbilanz für den ORF. Dank des Raiffeisen-Einstiegs bei der ORF-Sendetechnik - im Zuge des Verkaufsverfahrens konnte Wrabetz auch gute Kontakte zu den mächtigen Raiffeisen-Männern knüpfen - erzielte der ORF 2005 den höchsten operativen Gewinn seiner Geschichte. (apa)
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