Post erwartet heuer deutlich mehr Gewinn: Plus von 10 bis 15 Prozent scheint möglich
- Konzern sieht geringen Einfluss aus Marktöffnung
- Stabilisierung bei Finanzpartner BAWAG P.S.K.
·Bawag PSK fordert 350 Mio. von Flöttl
FORMAT: Flöttl soll 20 Mio. veruntreut haben
Die Österreichische Post AG hat im ersten Halbjahr bei Umsatz und Gewinn stärker zugelegt als erwartet. Im Gesamtjahr 2006 rechnet sie mit einer leichten Abschwächung des Trends. Dennoch soll der Ertrag bis Jahresende deutlich um 10 bis 15 Prozent gegenüber 103,0 Mio. Euro Betriebsergebnis (EBIT) 2005 anwachsen. Bei den Umsätzen erwartet man ein Plus von 1 bis 2 Prozent, sagte Finanzvorstand Rudolf Jettmar in der Halbjahrespressekonferenz.
Die weitere Öffnung des Briefmarktes seit Jahresbeginn habe nur "geringen Einfluss auf das heurige Gesamtjahr 2006. Außerdem zeichne sich eine "Stabilisierung des Finanzpartners BAWAG P.S.K." ab, so dass die Post auch "nicht mit signifikant negativen Einflüssen auf Erträge aus Finanzdienstleistungen rechne", teilte die Post mit.
Im ersten Halbjahr hat die Post in allen ihren Geschäftsbereichen Brief, Paket und Logistik sowie im Filialnetz signifikante Zuwächse erzielt. Den Umsatz erhöhte das seit Ende Mai börsenotierte Unternehmen um 3 Prozent auf 861,4 Mio. Euro. Das EBIT stieg um 17,9 Prozent auf 66,3 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 117,9 Mio. Euro um 14,5 Prozent im Plus.
Mit den ersten Geschäftszahlen seit dem Börsegang hat die Post die Erwartungen der Börse teils deutlich übertroffen. Die von der APA befragten Analysten waren für das Halbjahr im Durchschnitt von 852,9 Mio. Euro Umsatz, 61,0 Mio. Euro EBIT und 104,3 Mio. Euro EBITDA ausgegangen.
Der Kurs der Post-Aktie hat seit dem Börsestart um rund ein Fünftel zugelegt. Am Donnerstag ging die Aktie mit 23 Euro aus dem Handel, das war ein Minus von 1,08 Prozent zum Vortag.
Regierung und Opposition reagieren unterschiedlich
Naturgemäß unterschiedlich haben Regierung und Opposition auf die Ergebnisse reagiert. Der für die Post zuständige Staatssekretär, Eduard Mainoni sprach von Qualitätssteigerungen. Die Post AG habe "eindrucksvoll bewiesen, dass sie ein international konkurrenzfähiges und wirtschaftlich denkendes Unternehmen ist", erklärte er in einer Aussendung. Seit dem Börsegang könnten auch die Anleger am Erfolg teilhaben.
Die Arbeiterkammer sprach dagegen von einem "Gewinn auf Kosten der Bevölkerung im ländlichen Raum". Während der Gewinn stetig steige, habe die Post in den vergangenen Jahren mehr als 950 Postämter zugesperrt. Hunderttausende Menschen müssten sich mit Ersatzlösungen zufrieden geben. Die Regierung solle nun zumindest die 650 Mio. Euro Erlös aus dem Postverkauf für den Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum verwenden, verlangte die stellvertretende Direktorin der AK Wien, Johanna Ettl.
SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser warf der Regierung vor, mit dem Börsegang nach dem Credo "Dividenden statt Arbeitsplätze" gehandelt zu haben. Entgegen den Zusagen des Managements werde weiter "Personal im großen Maßstab abgebaut". Moser glaubt dass durch den Dividendendruck "nach den 1.000 bereits geschlossenen noch hunderte weitere Postämter vor dem Aus" stünden.
(apa/red)
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