Sonntag, 13. August 2006

Torlose Derby-Fadesse: Meister Austria hat anscheinend das Siegen komplett verlernt

  • 3-schlechtester Austria-Saisonstart der Nachkriegszeit
  • Rapid mit erstem Derby-Zähler unter Zellhofer

Der amtierende Meister und Cupsieger Austria hat das Siegen verlernt. Nach der torlosen Derby-Fadesse gegen Rapid am Samstag im Horr-Stadion warten die Violetten auch nach der fünften Fußball-Bundesliga-Runde weiter auf den ersten Saisonsieg. Mit vier Remis und einer Niederlage verzeichnete die Austria den bisher drittschlechtesten Meisterschafts-Start in der Nachkriegszeit. Nur 1957 (1 Remis, 4 Niederlagen) und 2001 (3 Unentschieden, 2 Niederlagen) stand man nach fünf Partien schlechter da.

Der im 278. Duell der Erzrivalen nicht minder enttäuschende Rekordmeister Rapid verbuchte nach Niederlagen in Mattersburg und Ried immerhin den ersten Auswärtspunkt der Saison. Georg Zellhofer, der im Winter die Nachfolge von Teamchef Josef Hickersberger als Coach der Grün-Weißen angetreten hatte, fuhr außerdem seinen ersten Wiener Derby-Zähler ein. "Es tut gut, ein Derby einmal nicht verloren zu haben", lautete dementsprechend sein erster Kommentar nach dem 92-minütigen Geplänkel.

Der erhoffte Fußball-Leckerbissen ist den 11.200 Besuchern, darunter Hickersberger, sein Assistent Andreas Herzog und Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, im wahrsten Sinne des Wortes im Halse stecken geblieben. Auf den Tribünen herrschte angesichts der matten Darbietung betretenes Schweigen und auch die Schlachtgesänge der rivalisierenden Fan-Blöcke hatte man schon wesentlich intensiver erlebt.

Mit den Austrianern Wallner, Schicker, Lasnik und Pichlmann sowie den Rapidlern Payer, Katzer, Garics, Kavlak und Hoffer konnte "Hicke" wenigstens neun EURO 2008-Kandidaten, die allesamt von Beginn an spielen durften, beobachten. Viel zu sehen bekam er freilich nicht. Mit den treffenden Worten "Heute finde ich keinen mehr" verließ der Teamchef wenige Augenblicke vor dem Ende seinen Platz auf der Ehrentribüne.

Auch Austria-Trainer Frenkie Schinkels brachte es nach dem vom Großteil der Anwesenden bereits herbeigesehnten Schlusspfiff auf den Punkt: "Mir tun die Zuschauer leid. Für ein Derby war das viel zu wenig, ich bin schwer enttäuscht. Rapid wollte einen Punkt ergattern, hat das mit einer destruktiven Leistung erreicht, und von uns ist offensiv zu wenig gekommen. So ist dieses Scheiß-Spiel zu Stande gekommen."

Gegenüber Zellhofer wirkte zwar nicht so niedergeschlagen wie Schinkels, aber ebenfalls nicht restlos zufrieden: "Wir wollten mindestens einen Punkt und den haben wir. Es war nicht einfach nach den zwei Auswärtsniederlagen. Einsatz und Laufarbeit waren in Ordnung, die Austria konnte uns fast nie unter Druck setzen. Wir selbst haben noch nicht die Stabilität, um dann selbst den nötigen Druck zu entwickeln. Die entscheidenden Pässe auf Hoffer und Bilic sind uns nicht gelungen."

In den Reihen der Spieler fielen die Reaktionen ähnlich schaumgebremst aus wie ihre Aktionen auf dem Spielfeld. Austria-Stürmer Roman Wallner meinte zur violetten Harmlosigkeit: "Wir sind die vergangenen drei Spiele so gut wie nie zum Abschluss gekommen. Auch heute gab es vorne nichts Zwingendes. Es ist keine angenehme Situation. Wir spielen zwar nicht schlecht, aber sind nicht effektiv genug. Ich kann zwar mit dem 0:0 leben, bin aber trotzdem enttäuscht."

Wallners Freund aus gemeinsamen Rapid-Zeiten, ÖFB-Teamtorhüter Helge Payer, ging mit seinem Trainer d'accord: "Wir können mit dem Punkt zufrieden sein. Beide Mannschaften wollten unbedingt nicht verlieren. Jetzt freuen wir uns auf den GAK und eine volle Hütte." Auch Rapid-Verteidiger Markus Katzer blickte bereits nach vorne: "Wir müssen weiter kleine Schritte machen. Heute ist einmal die Defensive gut gestanden, wir haben aber zu viel Abspielfehler gemacht."

(apa/red)

13.8.2006 12:22