Politische Einflußnahme verantwortlich: Österreicher an ORF-Wahl nicht interessiert
- 28 Prozent für Wiederbestellung von Lindner-Führung
- Neues Team von 31 %gefordert, Brandstätter Favorit
Eine relative Mehrheit der Österreicher, nämlich 41 Prozent, ist an der ORF-Wahl desinteressiert. Grund dafür sind die derzeitigen politischen Sandkastenspiele im Kampf um die Besetzung des ORF-Generaldirektors. Das Vertrauen in die Führungsmannschaft unter Generaldirektorin Monika Lindner, die am 17. August abgewählt wurde, hielt sich in Grenzen. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse einer OGM-Umfrage, die nach Bekanntgabe der Nominierungen für die ORF-Wahl durchgeführt wurde.
28 Prozent der Österreicher sind demnach dafür, dass Monika Lindner wieder gewählt werden soll. 31 Prozent sprechen sich für ein neues Führungsteam am Küniglberg aus. OGM-Experte Peter Hajek spricht von einem "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit "tendenziellen Vorteilen" für die Lindner-Gegner. Auf Grund der parteiübergreifenden Allianz für den Kaufmännischen Direktor Alexander Wrabetz, Lindners härtester Gegner um die ORF-Spitze, "haben sich die Wähler der 'Regenbogenallianz' vom Team Lindner distanziert".
OGM erkundigte sich aber auch, wer im Fall einer neuen ORF-Führung die beste Wahl wäre. Das Ergebnis: 18 Prozent sprachen sich für den ehemaligen ORF-Journalisten und n-tv-Geschäftsführer Helmut Brandstätter, 16 Prozent für Ex-News-Chef Rudi Klausnitzer, 14 Prozent für ORF-Finanzchef Alexander Wrabetz, fünf Prozent für ORF-Programmplaner Wolfgang Lorenz und zwei Prozent für Post-Generalsekretärin Viktoria Kickinger aus. Neun Prozent gaben "keiner von diesen, andere" an und 36 Prozent sagten: "weiß nicht/keine Angabe".
Brandstätter sei laut Hajek ein "altbekanntes Fernsehgesicht", vermittle "Fernsehmanagement-Erfahrung" und gilt als "parteifern". Wrabetz, der im Moment als Favorit im ORF-Rennen gilt, erzielte "trotz geringem Bekanntheitsgrad ein gutes Ergebnis". Auf Grund der Unterstützung durch eine bunte Koalition bekomme der Kaufmännische Direktor "Zustimmung von den Wählern aller Parteilager, außer ÖVP-Wähler".
In Summe sei die ORF-Wahl den Leuten aber egal. Hajek ortet dabei eine Fortsetzung der Politikverdrossenheit auf medialer Ebene. "Die Österreicher wollen ein gut gemachtes Fernsehen und einen gut funktionierenden ORF, von der Politik haben sie die Nase voll."
(OGM-Umfrage: 503 Telefon-Interviews am 10. August 2006, Maximale Schwankungsbreite +/- 4,5 Prozent)
(apa)
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