Sonntag, 13. August 2006

Ermittlungen nach geplatztem Terror-Plot: Britischer Al-Kaida-Chef festgenommen

  • Bis zu 1200 Menschen in London-Terror verwickelt
  • Derzeit 23 Verdächtige in Großbritannien in Haft

Unter den Festgenommenen soll nach einem Zeitungsbericht auch der Chef des Terrornetzwerks Al Kaida in Großbritannien sein. Wie die "Sunday Times" unter Berufung auf Sicherheitsbeamte schrieb, glauben Fahnder, dass der Mann nicht nur der Drahtzieher der vereitelten Anschläge auf mehrere Flugzeuge gewesen sein soll. Er soll auch in andere Terrorpläne in den vergangenen Jahren verwickelt gewesen sein. Sein Name könne aus juristischen Gründen nicht genannt werden.

Wie der "Independent on Sunday" in seiner Internetausgabe schrieb, planten Terroristen in Großbritannien eine Welle "apokalyptischer" Anschläge. Sicherheitsbeamte gingen davon aus, dass etwa 1200 Menschen in terroristische Aktivitäten verwickelt seien. Die Gefahr für das Land sei immer noch "sehr ernst". Terroristen in Großbritannien verfügten immer noch über ein riesiges Arsenal von Bomben und Waffen, schrieb die Zeitung.

Der "Observer" schrieb am Sonntag unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass bis zu zwei Dutzend Terrorermittlungen zur Zeit in Großbritannien liefen. Auch seien immer noch Verdächtige im Zusammenhang mit den vereitelten Anschlägen auf der Flucht.

Am späten Samstagabend saßen in Großbritannien noch 23 Verdächtige in Haft. Wichtige Spuren führen auch nach Pakistan, wo nach Medienberichten sieben mutmaßliche Terroristen festgenommen wurden. Wegen der Furcht vor einer möglicherweise noch unentdeckten zweiten Gruppe von Terroristen hielt die Regierung in Großbritannien die höchste Alarmstufe weiter aufrecht.

Der Hinweis, dass die möglicherweise verheerendsten Terroranschläge seit dem 11. September 2001 unmittelbar bevorstehen könnten, kamen nach Informationen aus britischen Regierungskreisen aus Pakistan. Auch die Sprecherin des Außenministeriums in Islamabad, Tasnim Aslam, sagte: "Pakistan spielte eine sehr bedeutende Rolle dabei, dieses internationale Terroristennetzwerk aufzudecken und zu zerbrechen." Die pakistanische Tageszeitung "The Nation" berichtete, nach Vereitelung der Anschläge und nach neuen Hinweisen des britischen Geheimdienstes seien sieben Verdächtige in zwei pakistanischen Städten festgenommen worden.

Bei den Verdächtigen, die sich in London in Polizeigewahrsam befinden, handelt es sich vor allem um Männer aus muslimischen Einwandererfamilien, die bereits seit langem in Großbritannien leben. Die meisten davon haben sowohl die pakistanische als auch die britische Staatsbürgerschaft.

Nach Informationen der Tageszeitung "The Times" wurde bei einem Verdächtigen ein so genanntes Märtyrervideo gefunden, das vermutlich von einem der potenziellen Selbstmord-Attentäter stammt. Ähnliche Videos waren nach den Terror-Anschlägen in London mit mehr als 50 Toten vor mehr als einem Jahr an die Öffentlichkeit gelangt.

"The Nation" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Pakistan, konkrete Hinweise auf die Terrorpläne seien von drei am Dienstag in der Hafenstadt Karachi festgenommenen Verdächtigen "herausgepresst" worden. Auch die britische Tageszeitung "The Guardian" schrieb, dass die Festnahme von Terrorverdächtigen in  Pakistan Auslöser für die Razzien in London und anderen englischen Städten gewesen sei. Demnach war die Anschlagsserie für die kommenden  Wochen geplant. Nach den Festnahmen in Pakistan sei von dort jedoch der Befehl zur sofortigen Ausführung gekommen. Nach der Entschlüsselung durch die Geheimdienste sei dann der Zugriff in Großbritannien beschlossen worden.

Den mutmaßlichen Terroristen wird zur Last gelegt, eine Serie von Anschlägen auf bis zu zwölf Passagierflugzeuge über dem Atlantik geplant zu haben. Falls sie Erfolg gehabt hätten, wären nach britischen Presseberichten möglicherweise mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen. Unterschiedliche Angaben gab es darüber, für welchen Zeitpunkt die Anschlagsserie ursprünglich geplant war. Die Spekulationen reichten vom kommenden Dienstag bis zum fünften  Jahrestag der Anschläge in den USA vom 11. September 2001.

Geplant war offenbar, auf verschiedenen britischen Flughäfen in Teams von zwei bis drei Mann Flüssigsprengstoff in die Flugzeuge zu schmuggeln. In London wollten die Terroristen dann auf Transatlantik- Flüge umsteigen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Erst dann hätten die potenziellen Selbstmord-Attentäter die Chemikalien im Flugzeug vermischen wollen. Der Sprengstoff sollte dann mit Hilfe von elektronischen Geräten wie Handys, iPods oder Digitalkameras gezündet werden, hieß es.

Auf die Spur der Gruppe soll der britische Inlandsgeheimdienst MI5 bereits vor etwa einem Jahr durch einen Tipp aus der Szene gekommen sein. Seither seien die Verdächtigen observiert worden. Bei der Beobachtung der Konten sei festgestellt worden, wie größere Summe hin und her bewegt wurden.

(apa/red)

13.8.2006 17:18