Sonntag, 13. August 2006

Vor der Feuerpause: Israels Armee erleidet
schwerste Verluste seit Einsatzbeginn

  • Israel fliegt Luftangriffe gegen Hauptstadt Beirut
  • Hisbollah feuert 160 Geschosse auf Israel

Trotz der Annahme der UN-Resolution intensivierte Israel seine Militäraktionen im Südlibanon und verzeichnete am Samstag mit 24 toten Soldaten den höchsten Blutzoll seit Beginn des Konflikts vor fünf Wochen. Ein Israeli starb am Sonntag bei einem Raketenangriff der Hisbollah.

Am Sonntag flog die israelische Luftwaffe Angriffe gegen südliche Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut. Aus den Vororten wurden mindestens zwanzig Angriffe gemeldet, berichtete die libanesische Polizei. Der US-Nachrichtensender CNN sprach von 18 Luftschlägen. Über Beirut stiegen schwarze Rauchwolken auf, es waren schwere Explosionen zu hören. Sieben israelische Soldaten starben einem Bericht des arabischen TV-Senders Al Arabiya bei Kämpfen mit der Hisbollah.
Ebenfalls sieben Menschen starben am Sonntag durch israelische Luftangriffe, darunter eine Mutter mit ihren drei Kindern bei Tyrus. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten fünf Tankstellen in der südlibanesischen Stadt. Die Flammen drohten auf ein nahe gelegenes Krankenhaus überzugreifen.

Auch die Hisbollah verstärkte ihren Raketenbeschuss auf Nordisrael. 160 Geschosse gingen am Sonntagvormittag nieder. In der Ortschaft Shlomi wurde ein 60-jähriger getötet, dessen Haus direkt von einer Katjuscha-Rakete getroffen wurde. Neun weitere Israelis erlitten Verletzungen.

Israel hatte am Samstag ungeachtet der Resolution seine Offensive ausgeweitet, und brachte 30.000 Soldaten in Stellung. Panzereinheiten rückten gegen erbitterten Widerstand der Hisbollah-Miliz zum strategisch wichtigen Fluss Litani vor. Mindestens 40 Hisbollah-Kämpfer kamen dabei nach israelischen Angaben um. Die Hisbollah schoss am Samstag über dem Südlibanon einen israelischen Militärhubschrauber ab, wobei fünf Soldaten starben. Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz verteidigte die Offensive. Damit soll dem "Ersatz der israelischen Armee" durch eine internationale Friedenstruppe der Boden bereitet werden, betonte er am Sonntag.

Außenministerin fordert Freilassung entführter Soldaten
Die israelische Außenministerin Tzipi Livni hat die bedingungslose Freilassung der von der Hisbollah verschleppten Soldaten verlangt. Israel werde dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, sagte Livni nach einer Sitzung des Kabinetts. Die internationale Gemeinschaft müsse hinter der israelischen Forderung nach einer Freilassung der beiden am 12. Juli entführten Soldaten stehen.

Der Krieg habe die Spielregeln zwischen Israel und dem Libanon verändert, sagte Livni weiter. Sie forderte den libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora und die internationale Gemeinschaft auf, die UN-Resolution zum Libanon-Krieg umzusetzen.

Sohn von israelischem Autor im Libanon gefallen
Der Sohn des israelischen Schriftstellers und Friedensaktivisten David Grossman ist bei einem Militäreinsatz im Südlibanon ums Leben gekommen. Der 20-jährige Uri Grossman sei von einer Panzerabwehrrakete getötet worden, teilten die Streitkräfte mit. Nur drei Tage zuvor hatte David Grossman öffentlich ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah gefordert.

Grossmann war schon in der Vergangenheit als Friedensaktivist tätig geworden. So unterstützte er 2003 gemeinsam mit 35 anderen israelischen Autoren öffentlich eine Gruppe von Piloten der Luftwaffe, die Angriffe auf Ziele in dicht besiedelten Palästinensergebieten ablehnten.

In der österreichischen Kulturszene war Grossmann ebenfalls präsent: Er erhielt 1995 den Preis der Salzburger Osterfestspiele, 2002 erhielt er zuerst den Kinder- und Jugendbuchpreis und dann den Manes Sperber-Preis.
(apa/red)

13.8.2006 20:18