Humanitäre Hilfe scheint in Gefahr: Israel setzt Luftblockade über Libanon weiter fort
- EU-Kommissar Michel fordert rasche Aufhebung
- Libanesische Streitkräfte rücken in den Süden vor
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"Vollständige Einstellung der Feindseligkeiten"
Trotz der Landung der ersten Passagierflugzeuge in Beirut seit Beginn des militärischen Konfliktes mit der Hisbollah will die israelische Armee ihre Luftblockade aufrechterhalten. Die Beschränkungen im Flugverkehr blieben in Kraft, solange Israel die von ihm kontrollierten Gebiete im Südlibanon nicht an die UN- und libanesischen Truppen übergeben habe, sagte eine Sprecherin der israelischen Armee. Am selben Tag waren zwei Maschinen der Middle East Airlines und der Royal Jordanian aus Jordanien auf dem Flughafen von Beirut gelandet.
Es waren die ersten Passagiermaschinen, die mit Erlaubnis der israelischen Armee seit Beginn der israelischen Bombardements des Flughafens am 13. Juli in Beirut eintrafen. Die Genehmigungen seien erteilt worden, weil die Flüge "keine Gefahr in unseren Augen darstellten", sagte die Armeesprecherin. Nach Angaben eines anderen Sprechers wurden noch drei humanitäre Flüge und zwei Militärmaschinen in der libanesischen Hauptstadt erwartet.
Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Louis Michel, forderte Israel auf, die See- und Luftblockade endlich aufzuheben. "Sollen wir der Hisbollah das Monopol für die humanitäre Hilfe im Südlibanon erlauben?", fragte er nach einem Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Amir Peretz in Jerusalem. Nach seiner Einschätzung steht Peretz einer Aufhebung der Blockade zu Gunsten der humanitären Hilfe für die Flüchtlinge und die Opfer der israelischen Angriffe im Libanon offen gegenüber
Libanesische Soldaten unterwegs
Die libanesischen Streitkräfte haben am Donnerstag in Erfüllung der Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrates mit der Stationierung von Soldaten südlich des Litani-Flusses begonnen. Die Einheiten sollen gemeinsam mit UNO-Truppen die Kontrolle über die Region übernehmen und Angriffe der Schiitenmiliz Hisbollah auf Israel unterbinden. Die israelischen Streitkräfte begannen unterdessen mit ihrem Rückzug. Das israelische Militär erklärte am vierten Tag der Waffenruhe, "der Prozess der Übergabe der Verantwortung" habe begonnen. Bisher gibt es keinen Zeitplan, wann die Räumung abgeschlossen sein soll. Die vereinbarte Waffenruhe sieht vor, dass Israel die Kontrolle an die UNO-Truppe übergibt, die sie dann an die libanesische Armee weitergeben soll.
Mehr als hundert Lastwagen, Truppentransporter und Jeeps des libanesischen Heeres überquerten den Litani über eine Behelfsbrücke und rollten in die Stadt Marjayoun, etwa acht Kilometer von der israelischen Grenze entfernt. Die mehrheitlich christlichen Bewohner begrüßten die Armee mit libanesischen Nationalflaggen und Blumen, bewarfen die Soldaten mit Reis und jubelten ihnen zu. Andere Einheiten überwanden den Litani bei Qasmiyeh, um Stellungen nahe der Hafenstadt Tyrus zu beziehen. Auch hier reagierten die Menschen positiv auf den Vormarsch. Damit übernimmt die libanesische Staatsmacht erstmals seit 38 Jahren wieder die Kontrolle über das Gebiet südlich des Litani. Die libanesische Armee hatte seit 1968 schrittweise die Kontrolle über den Süden verloren, zunächst an palästinensische Guerillakämpfer. 1978 marschierte Israel ein, und nach dem Abzug der Israelis im Frühjahr 2000 war die Hisbollah-Miliz in die geräumten Gebiete vorgestoßen.
Während die Armee vorrückte, verschwanden die Hisbollah-Kämpfer von der Bildfläche. Es waren nicht einmal mehr die unbewaffneten Funktionäre zu sehen, die in den vergangenen Tagen per Moped unterwegs waren und Journalisten sowie heimkehrenden Bewohnern Anweisungen gegeben hatten. Die mit zwei Ministern in der libanesischen Regierung vertretene Schiitenorganisation hat zugesagt, mit der Armee und den UNO-Truppen zusammenzuarbeiten. Nach Angaben der israelischen Armee hat sich die libanesische Armee verpflichtet, "Hisbollah-Einsätze in allen Gebieten unter ihrer Kontrolle zu verhindern und dafür zu sorgen, die Hisbollah von dem Gebiet fern zu halten". Der Marschbefehl der Regierung in Beirut enthält allerdings nichts dergleichen, darin sind weder ein Rückzug der Hisbollah-Kämpfer aus dem Süden noch eine Entwaffnung erwähnt.
(apa/red)
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