Nach Gewalteskalation: Sri Lanka stimmt doch Friedensgesprächen mit Rebellen zu
- Regierung nimmt Angebot der Befreiungstiger an
- Heftige Kämpfe um Halbinsel Jaffna: Zahlreiche Tote
·Bürgerkrieg in Sri Lanka immer brutaler
Massaker an Helfern. Nun
auch Colombo betroffen
Nach mehr als zweiwöchigen schweren Kämpfen in Sri Lanka wollen die Regierung und die Tamilen-Rebellen der LTTE verhandeln. Der Sprecher der nordischen Mission zur Überwachung des Waffenstillstands (SLMM), Thorfinnur Omarsson, sagte am Sonntag, die Rebellen hätten der Regierung über die SLMM ausrichten lassen, sie seien zu Gesprächen bereit. Bisher sei das Angebot des LTTE-Friedenssekretariats aber nur mündlich erfolgt. Der Leiter des Friedenssekretariats der Regierung, Palitha Kohonna, sagte, die Regierung sei bereit, Verhandlungen aufzunehmen.
"Wir haben eine Botschaft erhalten, dass die Befreiungstiger Friedensgespräche anbieten", sagte Kohona. "Wir haben es angenommen." Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hätten bei Überbringung des Angebots am Freitag auch nach Bedingungen für Gespräche gefragt. Die Regierung habe geantwortet, sie stelle keine Bedingungen. Darauf habe es keine Antwort gegeben. Am Wochenende war es auf der Halbinsel Jaffna zu den heftigsten Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen seit dem Waffenstillstand von 2002 gekommen. Mehr als 200 Rebellen und 27 Soldaten kamen nach Angaben der Regierung allein am Samstag ums Leben.
Die Kämpfe zwischen der LTTE und der Armee im Norden Sri Lankas dauerten am Sonntag an. Militärsprecher Upali Rajapakse sagte, die Armee habe sich am Sonntag vor der Halbinsel Jaffna Gefechte mit einer Flotte von LTTE-Booten geliefert. Am Boden seien Soldaten auf der Suche nach Rebellen. Auf der Halbinsel beschossen sich Rebellen und Armee mit Artillerie und Mörsern. Schwere Artilleriegefechte wurden aus der Umgebung der Dörfer Muhamalai und Nargarkovil gemeldet, zwei wichtigen Zugangspunkten nach Jaffna. Bei Muhamalai hatten die Rebellen am Samstag nach eigenen Angaben die Abwehrreihen des Militärs durchbrochen. Am Sonntag meldete die Armee, die Rebellen seien wieder hinter die bisherige Waffenstillstandslinie zurückgeschlagen worden. Über die Opferzahlen der jüngsten Kämpfe war zunächst nichts bekannt.
Mehrere tausend Dorfbewohner befinden sich zwischen den Fronten. Die EU, die USA, Japan und Norwegen forderten die Konfliktparteien in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung auf, die Kämpfe einzustellen. "Das Leid, das unschuldigen Zivilisten zugefügt wird, ist unerträglich", heißt es in dem Appell.
Die mehrheitlich von Tamilen bewohnte Halbinsel Jaffna befindet sich seit mehr als einem Jahrzehnt in der Hand der Regierungstruppen. Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) begannen am Samstag eine Offensive, um die Halbinsel wieder unter ihre Herrschaft zu bringen. Die Eskalation der Gewalt hatte mit der Blockade eines Bewässerungskanals durch die Rebellen begonnen. Nachdem Bauern außerhalb des Rebellengebiets von der Wasserversorgung abgeschnitten wurden, begannen die Regierungstruppen eine Offensive zur Eroberung der Schleuse.
Am Rand der Hauptstadt Colombo wurde am Samstag der stellvertretende Leiter des Friedenssekretariats der Regierung erschossen, das die Umsetzung des Waffenstillstands von 2002 koordiniert hat. Die Regierung machte die LTTE für den Tod des Tamilen Ketheesh Loganathan verantwortlich. Präsident Mahinda Rajapakse warf den Rebellen vor, auch Tamilen ins Visier zu nehmen, nur weil sie für den Frieden arbeiteten.
Seit Dezember vergangenen Jahres starben nach offiziellen Angaben mehr als 1.400 Menschen bei Kämpfen und Anschlägen in Sri Lanka. Vor einem Anfang 2002 von Norwegen vermittelten Waffenstillstand hatten zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg rund 69.000 Menschen das Leben gekostet.
(apa)
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