Giftige Bakterien im See: 400 Wasservögel sind im Seewinkel an Botulismus verendet
- Nationalpark-Mitarbeiter sammeln die toten Tiere ein
- Lach- & Weißkopfmöwen heuer besonders betroffen
400 Wasservögel sind im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel innerhalb von nur einer Woche verendet. Die Tiere sind an Botulismus gestorben. Seit 20 Jahren tritt diese Vergiftung, hervorgerufen durch im Lackenboden schlummernde Bakterien, in der Seewinkel-Region auf.
Die Ursachen, die zum Botulismus führen, sind noch immer nicht restlos geklärt. Er tritt jedoch fast immer während der feucht-warmen Witterung auf und wird von den Wasservögeln durch das Futter aufgenommen. Bereits einige mit dem Nervengift infizierten Würmer genügen, um einen vollkommen gesunden Wasservogel zu töten.
Es treten Lähmungserscheinungen auf, der Wasservogel kann nicht mehr fliegen und auch nicht mehr fressen, er verendet qualvoll. Heuer sind besonders die Lach- und Weißkopfmöwen von der Vergiftung betroffen. "Auf den Menschen hat das im Körper des Tieres vorhandene Gift keine Auswirkungen", erläutert der Ornithologe Dr. Alfred Grüll von der Biologischen Station in Illmitz.
Kontakt mit toten Tieren nur mit Handschuhen
"Es sollte beim Einsammeln aber trotzdem aufgepasst werden. Ich rate dazu, Handschuhe zu tragen, damit das Nervengift nicht durch eine leichte Verletzung in die Blutbahn des Menschen gelangen kann und leichte Vergiftungserscheinungen hervorruft", so der Wissenschafter.
Eines wurde in den vergangenen Jahren durch ein Forschungsprojekt bewiesen: In Lacken, in denen der Sodagehalt noch in Ordnung ist, tritt kaum Botulismus auf. Hingegen in bereits durch Zupumpen ausgesüßten Lacken ist er regelmäßig anzutreffen. Daher ist eine der wichtigsten Forderungen der Fachleute: Das Aussüßen der Seewinkellacken durch unkontrolliertes Grundwasserzupumpen muss in Zukunft verhindert werden. (apa/red)
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