Samstag, 5. August 2006

Jetzt kommt Schwarze Witwe: Klimawandel treibt mehr gefährliche Spinnen zu uns

  • NEWS: Zahlreiche Bisse durch Dornfingerspinne
  • Ärzte pessimistisch: "Haben noch Forschungsdefizit"

Tatort Garten: Als Christian Baldinger, Gemeindearzt in Ried/Traunkreis, das schöne Wetter nutzte, um Unkraut zu jäten, machte er eine der unangenehmsten Bekanntschaften seines Lebens. "Ich wollte in einem eher verwilderten Eck meines Gartens Rankpflanzen bearbeiten. Ich hatte nur eine kurze Hose an und spürte auf einmal ein höllisches Brennen am linken Unterschenkel. Ich habe zuerst an eine Brennnessel gedacht", erzählt der 53-Jährige. Ein Gedanke, der sich schnell als Irrtum herausstellen sollte.

Bereits nach zwölf Stunden bildete sich an der betroffenen Stelle ein zehn Zentimeter großer hochroter, brennender Fleck. Zwei eng beieinander liegende Stichkanäle wurden sichtbar. "Am Donnerstagabend verfärbte sich das Zentrum der Entzündung dann fast schwarz, und ich konnte kaum noch auftreten. Ich habe sofort begonnen, Antibiotika einzunehmen, und Experten vom Institut für Tropenmedizin um Rat gefragt." Deren Urteil: Der Dornfinger hat zugeschlagen.

Zahlreiche Bisse durch Dornfingerspinne
Und das heuer bereits zum fünften Mal. Zumindest wenn man Medienberichten Glauben schenkt. "Tatsächlich kann der Dornfinger in nur etwa drei Prozent aller Fälle eindeutig identifiziert werden. Meistens handelt es sich um Bisse oder Stiche anderer Insekten", sagt der Biologe und Spinnenexperte Christian Komposch. Fakt aber ist: Durch den heißen Sommer sind Spinnen heuer besonders aktiv. So auch der giftige Dornfinger. Er ist eine heimische Spinne und über das gesamte Bundesgebiet verbreitet. "Bei uns gibt es zehn verschiedene Arten, die häufigste ist der Ammen-Dornfinger", erklärt Komposch. Er gehört zu den wenigen heimischen Spinnenarten, die mit ihren Beißwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen können. Mit unterschiedlichen Folgen: Denn Spinnen entscheiden selbst, wie viel Gift sie bei einem Biss abgeben.

Eingewanderte Schwarze Witwe
Von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, hat sich aber längst eine viel giftigere Spinne in unseren Breiten angesiedelt: Paykulls Kugelspinne, auch Falsche Schwarze Witwe genannt, ist eine Verwandte der Schwarzen Witwe und wurde in Österreich erst 1994 nachgewiesen. "Ihr Gift ist für den Menschen definitiv sehr gefährlich, wenn auch nicht tödlich. Allerdings wissen wir noch wenig über die genauen Auswirkungen", sagt Komposch. Das versteckt in Maus-oder Grillenlöchern lebende Tier hat wärmebegünstigte Wiesen in weiten Teilen Kärntens sowie der Südoststeiermark besiedelt, im Burgenland und in Niederösterreich ist ihr Vorkommen sehr wahrscheinlich. "Leider haben wir auch hier noch ein Forschungsdefizit", so Komposch.

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5.8.2006 11:04