Wunder der Natur: Wimpertierchen halten sich Algen für Nahrung und Sonnenschutz!
- Von Pflanzen produzierte Substanz blockt UV-Strahlen
·Quallen - Ohne Hirn lebt es sich ganz gut
So genannte Nesseltiere sind sehr einfach gebaut
Viele Wimpertierchen wie das Glockentierchen halten sich im eigenen Körper Algen als zusätzliche Quelle für Nahrung. Wissenschafter vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck haben nun herausgefunden, dass die Algen den Tieren nicht nur Nährstoffe, sondern auch einen effektiven Sonnenschutz liefern. Die Organismen können so Gewässer bewohnen, in denen ungeschützte Kollegen von der aggressiven UV-Strahlung geschädigt werden.
Die vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützten Experimente werden "International Symbiosis Society Congress 2006" vorgestellt. Rund 300 Wissenschafter aus 39 Ländern präsentieren dabei Forschungen zum Thema "Symbiosen".
Untersuchungsobjekte von Bettina Sonntag vom Labor für Photobiologie und Planktonökologie der Uni Innsbruck sind winzige, maximal einen halben Millimeter große Wimpertierchen, auch Ciliaten genannt. Die Algen sind entsprechend noch kleiner, rund 0,005 Millimeter im Durchmesser. So genannte Symbiosen zwischen den Tieren und den Algen sind lange bekannt. Die Algen verwandeln Sonnenlicht in Zucker, von denen auch die Wimpertierchen profitieren. Diese bieten den Algen im Gegenzug Schutz und versorgen sie auch mit Düngesalzen.
Die Innsbrucker Wissenschafter haben nun herausgefunden, dass die Algen aber nicht nur Nahrung, sondern auch eine Schutzsubstanz gegen UV-Strahlung produzieren. Es handelt sich dabei um "Mycosporin-ähnliche Aminosäuren" (MMA), welche sowohl UV-A als auch UV-B abfangen, so Sonntag im Gespräch mit der APA. Besonders in klaren Seen kann die Belastung mit ultravioletter Strahlung in den obersten Wasserschichten sehr hoch sein.
Tatsächlich zeigte sich bei Vergleichsuntersuchungen, dass in solch belasteten Wasserschichten hauptsächlich Ciliaten mit Algen vorkommen. Die Symbionten-losen Artgenossen sind deutlich in der Minderzahl. Noch ist unklar, über welchen Mechanismus die Produktion von Sonnenschutzmittel angeregt wird. "Es könnte sein, dass es direkt die UV-Strahlung ist, aber auch ein Umweg über Stressfaktoren ist möglich", so die Forscherin. Fest steht, dass die Algen in den Ciliaten auch im Labor bei künstlicher UV-Strahlung mit vermehrter Produktion des UV-Schutzes reagieren. (apa/red)
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