Dienstag, 1. August 2006

Arbeitslosigkeit leicht zurückgegangen: 246.000 Österreicher im Juli auf Jobsuche

  • Im Vergleich zu 2005 Rückgang um 5.000 Personen
  • Anzahl der Schulungsteilnehmer steigt stark an

Im Juli gab es in Österreich im Vergleich zum Vorjahr weniger Arbeitslose, aber auch die Zahl der Schulungen ist wieder stark gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen ging im Jahresabstand um 6,7 Prozent oder 14.196 Personen auf 196.699 Arbeitssuchende zurück. Die Zahl der Schulungsteilnehmer hat sich jedoch deutlich um 22,9 Prozent oder 9.219 Personen gegenüber dem Vorjahr auf 49.542 in Schulung befindliche Personen erhöht. In Summe waren damit im Juli 246.241 Menschen in Österreich ohne Job.

Die nationale Arbeitslosenquote lag (geschätzt) bei 5,5 Prozent, laut Eurostat-Berechnung betrug die Quote im Juli (vorläufige Fortschreibung laut AMS) 4,8 Prozent, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,5 Prozentpunkte. Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein sieht in den Zahlen die "Trendwende" am österreichischen Arbeitsmarkt verfestigt. Dies sei je zur Hälfte dem Wachstumskurs der österreichischen Wirtschaft und der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung zu verdanken.

Das "Gefühl der Österreicher" betreffend den Arbeitsmarkt sei weniger gut als die Lage. Dafür verantwortlich sieht er jene, die die Lage "schlecht geredet" hätten. Der Arbeiterkammer warf Bartenstein "Desinformation" bis hin zur "Panikmache" vor.

Bei der gemeinsamen Präsentation der Eckdaten zum österreichischen Arbeitsmarkt stimmten auch die Vorstände des Arbeitsmarktservice, Herbert Buchinger und Johannes Kopf, in die Erfolgsmeldungen ein. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei in allen Bundesländern und in allen Branchen deutlich ausgefallen, erläuterte AMS-Vorstand Johannes Buchinger. Spitzenreiter bei der Reduktion der Arbeitslosigkeit ist Salzburg mit 14,2 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 10,8 Prozent und Vorarlberg mit 9,1 Prozent.

Fünftniedrigste Arbeitslosenquote in Europa
AMS-Vorstand Johannes Kopf zog einen internationalen Vergleich: Laut Eurostat-Berechnung habe Österreich im europäischen Vergleich mit 4,8 Prozent (Fortschreibung AMS für Juli) die fünftniedrigste Arbeitslosenquote. Besser als Österreich lägen nur die Niederlande (3,8 Prozent), Dänemark (3,9 Prozent), Irland (4,4 Prozent) und Luxemburg (4,7 Prozent) - bei diesen Ländern wurden die vorliegenden Eurostat-Werte für Juni genommen. Österreichs Eurostat-Arbeitslosenrate im Juni lag bei 4,9 Prozent.

Kritik kam von den Arbeitnehmervertretungen: Der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer sehen in fast einer Viertel Million Arbeit Suchenden keine positiven Daten. "Mehr als 246.000 Menschen auf Arbeitssuche im Juli, einem der jahreszeitlich bedingt besten Monate für den Arbeitsmarkt - das ist wahrlich kein Grund zum Jubeln", kommentiert Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB.

Die AK sieht die "Strukturkrise des österreichischen Arbeitsmarktes ungebrochen". Österreich habe verabsäumt, sein System der beruflichen Weiterbildung an die aktuellen Anforderungen des Strukturwandels der Wirtschaft anzupassen. Stattdessen gebe es "Billig-Jobcoachings" für Arbeitslose. Scharfe Kritik übt die AK auch an "100 prozentiger Lohnsubvention in Niedriglohn- und Kurzzeitjobs" ohne Zukunft, in die Arbeitslose gedrängt würden. Nach einem Monat Arbeit seien die Betroffenen wieder arbeitslos.

Bartenstein "unseriös, unehrlich und ignorant"
Gemischte Reaktionen kamen von den politischen Parteien. Der stv. Klubobmann der Grünen, Karl Öllinger, sieht bei Bartenstein Mangel an jedweder Glaubwürdigkeit. Der Minister agiere "unseriös, unehrlich und ignorant", die eigentlichen Probleme der Menschen seien Bartenstein egal. Für SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser ist Bartenstein zwar ein "erfolgreicher Chemiefabrikant", als Arbeitsminister sei er aber der "Zauberlehrling der Arbeitslosen-Statistik". Die Arbeitslosigkeit sei das größte Problem der Regierung Schüssel, aber der Bundeskanzler und sein Wirtschaftsminister versuchten das Problem einzig mit Statistiken in den Griff zu bekommen.

"Hauptsache, ihm geht's gut - wie es den fast 250.000 Arbeitslosen in Österreich geht, ist Schüssel völlig egal", kommentierte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. Dass sich die Zahl der Schulungsteilnehmer gegenüber dem Juli 2005 um 22,9 Prozent auf 49.542 in Schulung befindliche Personen erhöht habe, könne man nur als neuerlichen "Taschenspielertrick" zur Schönung der Statistik betrachten. Arbeitssuchende würden von der schwarz-orangen "Arbeitslosenregierung" einfach "versteckt".

Ganz anders interpretiert BZÖ-Arbeitnehmersprecher Max Walch die Daten: Die sinkende Arbeitslosigkeit in Österreich zeige, dass diese Bundesregierung mit der Steuerreform und den Beschäftigungsmaßnahmen gute Arbeit geleistet habe. ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll wirft der SPÖ und den Grünen "billige Polemik" vor. "Es ist vor allem ein Verdienst der SPÖ, dass die Stimmung am Arbeitsmarkt schlechter ist als die Lage. Denn der SPÖ geht es nicht um die Arbeitslosen, sondern nur um das Schlechtmachen Österreichs", so Stummvoll.

(apa/red)

1.8.2006 16:55