Dienstag, 1. August 2006

Trendwende am deutschen Arbeitsmarkt: Arbeitslosenzahl sinkt im Juli bedeutend

  • Allerdings noch immer 4,3 Millionen ohne Job

Lichtblick am deutschen Arbeitsmarkt: Trotz der Sommerpause ist die Zahl der Arbeitslosen auch im Juli überraschend zurückgegangen. Statt des erwarteten Anstiegs um bis zu 100.000 Arbeitslose waren erstmals seit der Wiedervereinigung in einem Juli weniger Menschen in Deutschland ohne Job.

Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 12.000 auf 4,386 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergab sich ein Rückgang um 451.000. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 10,5 Prozent.

"Die aktuellen Arbeitsmarktdaten bestätigen, dass die konjunkturelle Erholung den Arbeitsmarkt wohl erreicht hat", sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise. Die günstige Grundtendenz der vergangenen Monate habe sich damit fortgesetzt.

Obwohl auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs und der offenen Stellen gestiegen ist, wollte Weise nur unter Vorbehalt von einer Trendwende sprechen. "Rein statistisch gesehen ist die Trendwende in diesem Jahr eingetreten", erklärte er. Angesichts noch fehlender volkswirtschaftlicher Daten für 2007 könne er aber nicht sagen, ob sich diese Entwicklung fortsetzen werde. "Wenn ich weiter nach vorne schaue, kann ich nicht sagen, dass 2007 gut wird", betonte Weise. Dass in diesem Winter jedoch erneut die Rekordmarke von fünf Millionen Arbeitslosen erreicht werden könnte, hält das BA-Gremium für unwahrscheinlich. "Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden wir an der Fünf-Millionen-Marke nicht kratzen", erklärte Becker.

Positive konjunkturelle Impulse & erfolgreichere Arbeitsagenturen
Als Hauptgründe für den erneuten Rückgang der Arbeitslosigkeit nannte Weise die anhaltend positiven konjunkturellen Impulse und die inzwischen erfolgreichere Arbeit in den Arbeitsagenturen und Optionskommunen. Während die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld-I im Juli um 38.882 gestiegen sei, habe die Anzahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger um 26.393 abgenommen. Ein Teil dieses Rückgangs sei auf eine bessere Vermittlung in Erwerbstätigkeit und Arbeitsgelegenheiten wie etwa Ein-Euro-Jobs zurückzuführen. Gleichzeitig sei aber auch unberechtigten ALG-II-Empfängern durch einen besseren Datenabgleich die Unterstützung entzogen worden, erklärte BA-Finanzvorstand Raimund Becker.

Die Zahl der offenen Stellen bezifferte Weise für Juli auf 836.000 und damit 218.000 mehr als im Vorjahresmonat. Auch bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs habe sich die "erfreuliche Entwicklung" der vergangenen zwei Monate fortgesetzt. Ersten vorläufigen Hochrechnungen zufolge stieg sie im Mai im Jahresvergleich um 54.000 auf 26,23 Millionen. Dies sei ein "starkes Indiz" für das Ende des Abbaus dieser Stellen. In zwölf Bundesländern wachse die Beschäftigtenzahl wieder.

Weiter angespannt bleibt indes die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Von Oktober 2005 bis Juli 2006 seien den Agenturen für Arbeit 402.400 Ausbildungsplätze gemeldet worden, ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sei jedoch die Zahl der Bewerber um ein Prozent gestiegen, und zwar auf 678.500, erklärte BA-Vorstand Becker. Es sei daher zu befürchten, dass die Lehrstellenlücke Ende September mit 30.000 bis 31.000 größer ausfallen werde als im Vorjahr. Damals blieben 28.500 Bewerber unversorgt. "Es sind alle Akteure des Ausbildungspaktes aufgerufen, diese Lücke so klein wie möglich zu halten", betonte Weise.


(apa/red)

1.8.2006 12:35