Auktion um serbischen Betreiber Mobi63: Mobilkom Austria unterliegt Norwegern
- Jahrelange Bemühungen erfolglos: Telenor gewinnt
- 1,513 Mrd. Euro für serbischen Marktführer gezahlt
Die Expansionspläne der Mobilkom Austria am Balkan haben einen deutlich Dämpfer erhalten. Bei der Versteigerung des serbischen Mobilfunkers Mobi63 in Belgrad unterlag die Telekom-Austria-Tochter dem norwegischen Konkurrenten Telenor, der für 1,513 Mrd. Euro den Zuschlag erhielt. Im Kaufpreis inbegriffen ist auch eine Mobilfunklizenz für einen Zeitraum von zehn Jahren.
Telekom-Austria-Chef Boris Nemsic nahm persönlich an der Versteigerung teil und hielt bis zuletzt mit dem norwegischen Konkurrenten mit. Da aber keiner der beiden Bieter bereit war, den nächst höheren Preis von 1,533 Mrd. Euro zu bezahlen, entschied schließlich das höchste bis Mittwoch vergangener Woche (26. Juli) abgegebene verbindliche Angebot - das Trug den Absender Telenor und lautet auf 1,373 Mrd. Euro. Die Mobilkom hatte nur 805 Mio. Euro geboten. Der ägyptische Mitbewerber Orascom hatte sich bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe des Rufpreises von 1,373 Mrd. Euro zurückgezogen.
Nemsic kündigte unmittelbar nach der Versteigerung an, sich in einigen Monaten um den Markteintritt in Serbien über den Erwerb der dritten serbische Mobilfunklizenz bemühen zu wollen. Diese Lizenz soll laut serbischer Nachrichtenagentur Tanjug mindestens 320 Mio. Euro kosten. In früheren Medienberichten hatte es geheißen, die dritte Lizenz dürfe nicht billiger verkauft werden als die versteigerte - somit würde die dritte Lizenz rund 640 Mio. Euro kosten.
Laut Nemsic ist ein Kaufpreis für die Mobi63 über 1,5 Mrd. Euro "nicht gerechtfertig". Serbien habe daher bei der heutigen Auktion den höchsten Preis erzielt, der derzeit auf dem Markt erreichbar sei, sagte der TA-Chef laut serbischer Nachrichtenagentur Tanjug. Das gesamte Verkaufsverfahren für die Mobi63 sei transparent und ordentlich verlaufen, sagte Nemsic. Der serbische Wirtschaftsminister Predrag Bubalo erklärte gegenüber Tanjug, der erzielte Preis liege leicht über seinen Erwartungen.
Laut Telekom-Austria-Sprecherin Elisabeth Mattes wird sich der hohe Preis für die Mobi63 auf das Investitinosbudget von Telenor auswirken - davon werde die Mobilkom Austria profitieren, sollte sie den Zuschlag für die dritte Mobilfunklizenz in Serbien erhalten. "Wir sind enttäuscht, aber wir bleiben am Ball", gibt man sich bei der TA kämpferisch. Außerdem will sich der österreichische Mobilfunk-Martkführer auch bei der erwarteten Ausschreibung einer Lizenz für Bosnien-Herzegowina bewerben. Wie hoch die Kosten für die Bewerbung in Serbien waren, lässt sich laut Mobilkom derzeit nicht genau beziffern. Jedenfalls sei kein so hoher Betrag aufgewendet worden, dass dafür eine Pflichtmitteilung an die Aktionäre notwendig gewesen wäre.
Noch bevor das Endergebnis der Versteigerung des serbischen Mobilfunkers Mobi63 bekannt war, ist am Montag der Kurs des Mitbieters Telekom Austria in die Höhe geschnellt und hat bei Bekanntgabe des Zuschlages an die norwegische Telenor um 11.00 Uhr einen ersten Höchststand von knapp 17,35 Euro erreicht, um später noch auf 17,90 Euro zuzulegen.
Der Verkauf der Mobi63 ist die größte Privatisierung im Serbien der Nach-Milosevic-Ära. Der bisher größte Deal war der Verkauf der staatlichen Tabakfabrik Duvanska Industrija Nis am 2. September 2003 an Philip Morris um rund 518 Mio. Euro.
Dem Vorgänger-Unternehmen der Mobi63 - Mobtel - an dem die österreichischen Investoren Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt seit Mai 2005 maßgeblich beteiligt waren, war Ende 2005 die Funklizenz und damit die Geschäftsgrundlage entzogen worden. An das neu gegründete Nachfolgeunternehmen Mobi63 wurde das gesamte Mobtel-Eigentum inklusive Sendernetz und Kunden übertragen. Die serbische staatliche Post PTT ist an Mobi63 mit 70 Prozent beteiligt, 30 Prozent gehören den österreichischen Investoren Schlaff, Taus und Cordt. Vom Kaufpreis entfallen 40 Prozent auf die Funklizenz und 60 Prozent auf das Unternehmen selbst.
Mobi63 deckt etwa 90 Prozent des serbischen Staatsgebietes ab und ist mit rund 2 Millionen Kunden und 1.200 Mitarbeitern Marktführer in Serbien vor der staatlichen Telekom Srbije. Aktuelle Umsatz- und Gewinnzahlen sind bisher nicht verfügbar - 2004 belief sich der Umsatz auf 155 Mio. Euro.
Die heute börsenotierte norwegische Telenor wurde 1994 gegründet und im Dezember 2000 teilprivatisiert. Das Unternehmen ist hat in zwölf Ländern in Europa und Asien insgesamt rund 96 Millionen Kunden und ist damit einer der größten Telekom-Konzerne der Welt. Telenor erwirtschaftete nach eigenen Angaben im 2. Quartal 2006 einen Umsatz von umgerechnet rund 2,87 Mrd. Euro, um 37 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
(apa/red)
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