'Zum Wohle der Bank': Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer gab Rücktritt bekannt
- Rückkehr ausgeschlossen: Haiders Plan durchkreuzt
- Oppositionskritik an Fortzahlung der Vorstandsbezüge
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Vom Sanierungsmanager zum Expansionsmotor
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Wolfgang Kulterer, wegen Spekulationsverlusten von 328 Mio. Euro unter Beschuss geratener Chef der Kärntner Hypo Alpe-Adria, hat seinen Rücktritt offiziell bekannt gegeben - mit vollen Bezügen bis zum Auslaufen seines Vertrages in fünf Jahren. Der scheidende Bank-Chef soll per 1. Oktober neuer Aufsichtsrats-Chef werden. Einen "Rücktritt vom Rücktritt" schloss er aus. Er werde nicht wie von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider gewünscht, wieder in den Vorstand zurückkehren. Auch eine Vorstands-Funktion in der Kärntner Landesholding will er nicht.
Der Vorstand der Hypo Alpe-Adria wird im Herbst von derzeit vier auf fünf Mitglieder aufgestockt werden. Nachfolger als Vorstandsvorsitzender in der Hypo Alpe-Adria wird Siegfried Grigg, Vize-Chef der Grazer Wechselseitigen Versicherung, die nach der Kärntner Landesholding zweitgrößter Aktionär der Bank ist. Neu in den Vorstand einziehen werden auch Paul Kocher, derzeit einer der beiden Geschäftsführer der Bundesfinanzierungsagentur, und Wolfgang Peter, ehemaliger Bank Austria Creditanstalt-Manager und derzeit Vorstand in der kroatischen Splitska Banka.
Seinen Rücktritt bekannt gegeben hat neben Kulterer auch sein Stellvertreter Günter Striedinger, der aus seiner Funktion bereits per Ende August ausscheidet. Er wird zwar nicht in den Aufsichtsrat der Bank einziehen. Seine berufliche Zukunft bleibt aber offenbar trotzdem weiter eng mit der Hypo verbunden. Striedinger soll künftig bei der Hypo Consultants-Gruppe tätig sein.
Amtsenthebungsverfahren abgewendet
Mit den beiden Rücktritten kommen Kulterer und Striedinger offenbar einer kolportierten Amtsenthebung durch die Finanzmarktaufsicht zuvor. Die laufenden FMA-Verfahren gegen die beiden Vorstände sind damit eingestellt. Kulterer sagte, er trage zwar die volle Verantwortung, die umstrittene Bilanzierung sei aber vertretbar gewesen. Seinen Rücktritt setze er ausschließlich zum Wohle der Bank. Er wolle die Bank vor weiteren Imageschäden bewahren und den geplanten Börsegang des Instituts nicht gefährden. Ein Rechtstreit mit der FMA hätte sich womöglich über eineinhalb Jahre gezogen. Und der Ausgang von Rechtsverfahren sei immer offen.
Vor allem in Hinblick auf den weiterhin spätestens im Frühjahr 2008 geplanten Börsegang will die Kärntner Hypo mit dem neuen Vorstands-Quintett - die beiden Vorstände Thomas Morgl und Josef Kirchner bleiben im Amt - jetzt für Kontinuität sorgen. Auch die Kapitalaufstockung in Höhe von 250 Mio. Euro soll wie geplant Ende Oktober kommen - laut Kulterer gibt es bereits mehr als zehn Interessenten. Zu den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sagte der scheidende Kärntner Hypo-Chef: "Das ist ein laufendes Verfahren, man wird sehen, was herauskommt. Ich vertraue aber auf die Gerichtsbarkeit."
Oppositionskritik an Fortzahlung der Bezüge
Die Fortzahlung der Vorstandsbezüge sorgte in der Opposition unterdessen für heftige Proteste. "Wenn man selbst zurücktritt, kann es das nicht geben", meinte die Kärntner SPÖ-Chefin Gaby Schaunig. Die Grünen bezeichnen die Gehaltsfortzahlung für Kulterer als "degoutant". Landeshauptmann Jörg Haider kündigte an, dass die Landesaufsicht "ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben" werde. "Wir haben in der Vergangenheit eine privilegienfreie Bank gehabt und wollen das auch in Zukunft", sagte Haider.
Der Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen und Aufsichtsrats-Vize der Hypo, Othmar Ederer, rechtfertigte die Fortzahlung aber mit den Vertragsverpflichtungen. "Der Herr Kulturer ist zu Beginn 2006 für eine Laufzeit von weiteren fünf Jahren bestellt worden. Und wir leben nach der Regel 'pacta sunt servanda' (Verträge sind zu erfüllen, Anm.)", sagte er. Auch Bedenken der Arbeiterkammer, dass der Wechsel Kulterers in den Aufsichtsrat den Regeln für eine ordentliche Unternehmensführung widerspreche, wies er zurück.
Der Coporate Governance-Kodex für börsenotierte Unternehmen sehe zwar eine "Abkühlungsphase" vor, in der ein bisheriger Vorstand nicht in den Aufsichtsrat eines Unternehmens wechseln solle. Die Hypo sei noch kein börsenotiertes Unternehmen. Außerdem habe man es hier mit einer "Sondersituation" zu tun, so Ederer.
(apa/red)
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