Dienstag, 1. August 2006

Der "Tiger" fährt die Krallen aus: Bacher
übt vernichtende Kritik an Monika Lindner

  • Ex-General: "Schlechteste ORF-Führung aller Zeiten"
  • "Sie kann es einfach nicht, sie versteht ihr Amt nicht"

Gerd Bacher, früherer Langzeit-ORF-Generalintendant, macht nun gegen die derzeitige ORF-Chefin Monika Lindner mobil, die sich bei der ORF-Wahl am 17. August der Wiederwahl stellt. Die jetzige Führung hält Bacher, der in den vergangenen Wochen kräftig die Werbetrommel für Lindners härtesten Kontrahenten Wolfgang Lorenz gerührt hat, für "die schlechteste aller Zeiten".

"Sie haben fünf Jahre Zeit gehabt zu üben - und haben beide Hauptaufträge nicht erfüllt. Nämlich erstens ein öffentlich-rechtliches Programm zu machen, wie es das neue Rundfunkgesetz vorschreibt. Lindner agiert kommerzieller als alle ihre Vorgänger. Und was, zweitens, die Unabhängigkeit betrifft, hat Frau Lindner viel zu wünschen übrig gelassen", so Bacher gegenüber der "Wiener Zeitung". "Es bedarf einer totalen fachlichen Neuaufstellung des ORF. Gefordert ist ein glaubhaftes Programm mit spannenden Inhalten."

"Kläglich" findet der "Tiger", wie Bacher in der Medienbranche genannt wird, auch Lindners Performance in der Mück-Krise. "Sie kann es einfach nicht, sie versteht ihr Amt nicht und hat sich von den Räte-Journalisten im Haus treiben lassen. Eigentlich unfassbar." Über seinen Schützling Lorenz wollte Bacher hingegen nichts sagen. "Ich möchte ihm nicht schaden."

VP-Brinek nimmt Lindner in Schutz
Als Reaktion auf Bachers Aussagen hat sich die Politik in Sachen ORF wieder einmal aktiv zu Wort gemeldet. ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek schlug sich auf die Seite Lindners und nahm sie gegen die Vorwürfe Bachers in Schutz. In einer Aussendung sprach sie von einer nicht nachvollziehbaren "frauenfeindlichen Kritik" ohne sachliches Argument zum "Forcieren seines eigenen Wunschkandidaten".

Bacher halte es anscheinend nicht aus, dass Frauen Führungspositionen bekleiden. Er erweise sich auch als alter Zentralist, der alles, was im ORF bisher gut oder weniger gut gelaufen sei, der Generaldirektorin anlastet, so die Abgeordnete.

Weiters konstatierte Brinek: "Der Alt-ORF-Chef lässt in seinem Ton eine frauenfeindliche Stimmung mitschwingen, die abzulehnen ist." Wolle man einen Kandidaten unterstützen, müsse man auch gute Gründe für diesen nennen "und nicht nur die Konkurrentin oberlehrerhaft verbal runtermachen".

(apa/red)

1.8.2006 16:24