Olmert an Merkel: "Ich wünsche mir bei UNO-Einsatz deutsche Soldaten im Libanon"
- Premier: 'Keine Nation ist freundschaftlicher zu Israel'
- Bundeskanzlerin hatte sich eher ablehnend geäußert
·Kompromissformel der EU-Staaten steht
Ein "sofortiges Ende der Feindseligkeiten" verlangt
Israels Regierungschef Ehud Olmert hat sich dafür ausgesprochen, deutsche Soldaten im Südlibanon zu stationieren, falls es dort zu einem UNO-Einsatz kommt. In einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Premier: "Ich wäre glücklich, wenn Deutschland sich beteiligte." Es gebe "keine Nation in diesen Tagen, die freundschaftlicher zu Israel ist als Deutschland". Er stehe in ständigem Kontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er als "außergewöhnliche Dame" und "hilfreiche Freundin" Israels bezeichnete.
Er habe Merkel gesagt: "Wenn Deutschland zur Sicherheit des israelischen Volkes beitragen kann, dann wäre dies eine lohnende Aufgabe", betonte Olmert in dem Interview. Ein "großer Teil der Hisbollah-Infrastruktur" sei inzwischen zerstört. "In Kürze" werde die Miliz "aus dem Südlibanon verschwunden" sein. Eine völlige Zerstörung der Hisbollah sei jedoch "unmöglich", räumte der Ministerpräsident ein. Die israelische Armee werde eine bis zu zehn Kilometer breite Pufferzone errichten und erst dann die Kampfhandlungen einstellen, wenn eine internationale Eingreiftruppe in den Südlibanon eingerückt sei. Bis dahin werde die Armee "mit allen Mitteln kämpfen. Niemand kann uns stoppen!"
Angela Merkel hatte sich zuvor grundsätzlich ablehnend zu einem eventuellen Bundeswehr-Einsatz im Nahen Osten geäußert. "Als Deutsche sollten wir in dieser Region mit äußerster Vorsicht herangehen", hatte sie erklärt. Zuvor hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland davor gewarnt, deutsche Soldaten an die Nordgrenze Israels zu entsenden. Er wisse nicht, wie die in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden "es finden würden, wenn deutsche Truppen gegen einen sein Land verteidigenden israelischen Soldaten vorgehen müssten", hatte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, erklärt.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein hat Israels Vorgehen im Libanon scharf kritisiert. "Was Israel macht, ist nicht zu verantworten", sagte der CSU-Politiker laut "Münchner Merkur". Er äußerte Verständnis dafür, dass sich Israel gegen die Angriffe der schiitischen Hisbollah-Miliz wehren müsse. Aber "man kann nicht einfach Zivilisten bombardieren und dann von Kollateralschäden reden". Israel müsse sich fragen lassen, was seine Strategie in dem Konflikt sei.
(apa/red)
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