Mittwoch, 1. August 2007

Atombombe tötet 220.000 Menschen: Japan gedenkt den vielen Opfern von Hiroshima

  • 61. Jahrestag: Zehntausende bei Friedensdemo
  • Fischer: Gedenken an Opfer ist keine "Pflichtübung"

Zehntausende Menschen aus aller Welt haben im japanischen Hiroshima der Opfer des ersten Atombombenabwurfs vor 61 Jahren gedacht. Angehörige der Opfer, Überlebende, Politiker und Geistliche hielten um 8.15 Uhr, dem Zeitpunkt des Bombenabwurfs, eine Schweigeminute im Friedenspark ab. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi sprach von der Verantwortung Japans, die Erinnerung an das Ereignis wachzuhalten.

Bundespräsident Heinz Fischer betonte in Wien, dass "die Erinnerung an das Grauen von 1945 keine historische 'Pflichtübung' ist". Heute müsse man erneut vor den Gefahren atomarer Aufrüstung und Kriegsführung warnen, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Botschaft des Staatsoberhauptes zum Hiroshima-Tag an die Wiener Friedensbewegung und die Hiroshima-Gruppe Wien. "Wir leben in einer Welt, in der Krieg und die Drohung mit Atomwaffen immer noch als taugliche Mittel der Politik betrachtet werden", klagte Fischer.

Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba forderte, die Welt müsse frei von Atomwaffen werden. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich. Durch die Atombombe wurden bis Ende 1945 etwa 140.000 Menschen getötet, zehntausende starben später noch an den Folgen. Demnach sind bis heute 247.787 Menschen durch die Atombombe ums Leben gekommen.

"Radioaktivität, Hitze, die Explosion und ihre synergetischen Effekte haben eine Hölle auf Erden geschaffen", sagte Akiba. Er rief zu einer Kampagne auf, um die Welt von Atomwaffen zu befreien. "61 Jahre später steigt die Zahl der Nationen, die sich zum Teufel hingezogen fühlen und von Atombomben versklavt werden", sagte er vor der Menge, die bei strahlendem Sonnenschein zusammengekommen war. "Die menschliche Familie muss sich entscheiden: Werden alle Völker versklavt oder werden sie befreit?"

Koizumi gelobte, die pazifistische Verfassung Japans und die Anti-Atom-Politik beizubehalten. "Japan, das einzige Land in der Geschichte der Menschheit, auf das Atombomben geworfen wurden, hat die Verantwortung, der internationalen Gemeinschaft beständig von seinen Erfahrungen zu berichten", sagte der Ministerpräsident. Allerdings erwägen Koizumis Partei LDP und die größte Oppositionspartei Änderungen an der pazifistischen Verfassung. Unter Koizumi hat sich die Gesetzgebung bereits dahingehend verändert, dass die Armee nun mehr Sicherheitsaufgaben im Ausland übernehmen darf. Außerdem wurden Soldaten in humanitärer Mission in den Irak geschickt.

Die Gedenkfeiern in diesem Jahr standen auch unter dem Eindruck der Sorgen über die Atomprogramme des Iran und Nordkoreas. UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte in einer verlesenen Botschaft die Sorge, Atomwaffen könnten in falsche Hände geraten. Es gelte daher, den Atomwaffensperrvertrag zu stärken.

Die Hitze und Strahlung der von dem B-29-Bomber "Enola Gay" abgeworfenen Waffen hatte 78.000 Menschen sofort getötet. Bis heute werden der Totenliste der Stadt mehrere tausend Namen jedes Jahr hinzugefügt. Die USA warfen am 9. August 1945 eine zweite Atombombe ab, diesmal auf die japanischen Stadt Nagasaki. Sechs Tage nach diesem Abwurf kapitulierte Japan im Zweiten Weltkrieg. (apa)

1.8.2007 12:13