Samstag, 5. August 2006

"Schlimmster Missbrauchsfall Kanadas": Priester hat 47 Mädchen unsittlich berührt

  • Geistlicher hat Vorwürfe vor Gericht gestanden
  • Norwegen will Leumundszeugnis vor Weihe verlangen

Ein ehemaliger katholischer Priester in Kanada hat sich schuldig bekannt, 47 junge Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Der heute 84-jährige Charles Sylvestre gestand vor Gericht die Taten zwischen 1954 und 1985 ein, wie ein Gerichtsvertreter sagte. Wie aus den Akten hervorgeht, lockte der Geistliche seine Opfer mit Süßigkeiten auf seinen Schoß; dann streichelte er ihre Brüste und Genitalien. Um sexuelle Übergriffe auf Kinder zu vermeiden, diskutiert man in Norwegen ein Modell, wonach Geistliche künftig vor der Priesterweihe ein Leumundszeugnis vorlegen müssten.

Die Kirchengemeinde des früheren Priesters bat seine Opfer um Verzeihung und bedauerte die Taten "zutiefst". Kirchensprecher Ron Pickersgill sprach vom "wahrscheinlich schlimmsten Missbrauchsfall" in Kanada. Die Polizei hatte im Jahr 2004 Ermittlungen aufgenommen, als eine der Frauen den Geistlichen beschuldigte. Das Urteil wird für den 6. Oktober erwartet.

Norwegen: Priester nur mit Leumundszeugnis?
Künftig könnte die Vorlage eines Auszugs aus dem Strafregister in Norwegen Voraussetzung für die Priesterweihe werden. Schon bisher mussten alle öffentlich Angestellten in dem skandinavischen Land, die mit Kindern arbeiten, einen Beweis vorlegen, dass sie nicht wegen Übergriffen gegen Minderjährige straffällig geworden sind. Dies galt jedoch nicht für Angestellte der evangelisch-lutheranischen Norwegischen Staatskirche.

Eine Arbeitsgruppe der rot-grünen Regierung in Oslo kam nun zu dem Schluss, dass die Bestimmung auch auf Kirchenangestellte ausgeweitet werden muss. "Viele Priester haben umfassenden Kontakt zu Kindern und Jugendlichen im Zusammenhang mit Konfirmation, Lagern, Kindergruppen und ähnlichem. (...) Schutz gegen sexuelle Übergriffe für alle, die in Kontakt mit der norwegischen Kirche kommen, ist ein sehr wichtiger Punkt", lautete die Begründung der ministeriellen Arbeitsgruppe. Laut der norwegischen Nachrichtenagentur NTB wird der Vorschlag von mehreren Bischöfen und der Priestergewerkschaft unterstützt.

(apa/red)

5.8.2006 14:56