Schwerer Störfall in Temelin: Tausende
Liter radioaktives Wasser sind ausgetreten
- Kraftwerksprecher: Nichts davon in Umwelt gelangt
- PLUS: Schwerer Störfall in schwedischem AKW
·Schwerer Störfall in schwedischem AKW!
Ernsthafte Gefahr: 4 der 10 Kraftwerke stehen still
Im zweiten Block des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin sind am Mittwochnachmittag "mehrere Tausend Liter von mäßig radioaktivem Wasser" ausgetreten. Dies bestätigte Temelin-Sprecher Milan Nebesar, nachdem er zunächst eine offizielle Presseaussendung ausgegeben hatte, in der von "einer größeren Menge als üblich eines unsauberen Kondensats" die Rede gewesen war. Die Ursache des Störfalls, zu dem es in zwei hermetisch abgeschlossenen Räumen gekommen sei, sei eine "halb offene Armatur" gewesen. Diese sei von einem verantwortlichen Mitarbeiter "nicht zu 100 Prozent" zugedreht worden.
Das ausgetretene Wasser sei durch ein dazu bestimmtes Sammel-System in ein Becken zur Reinigung überführt worden. Der Sprecher versicherte weiters, es seien keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt oder außerhalb die kontrollierte Zone des Kraftwerkes gelangt. Auch die Gesundheit des Personals von Temelin sei nicht gefährdet worden.
Eine Gefährdung der österreichischen Bevölkerung sei durch den Störfall im grenznahen Atomkraftwerk nicht gegeben, bestätigte auch der Sprecher von Umweltminister Josef Pröll, Daniel Kapp. Das eigene Frühwarnsystem, das sich in der Nähe des Reaktors befindet, "zeigt keine erhöhten Werte". Österreich habe von tschechischer Seite "eine Quickinfo" erhalten. Man erwarte eine umfassende und detaillierte Information zu diesem Störfall.
Die tschechische Staatliche Behörde für Atomare Sicherheit (SUJB) bezeichnete den Störfall als ein "wenig bedeutendes Ereignis", allerdings werde sie sich damit befassen. "Die Frequenz der Schwierigkeiten (in Temelin) ist groß genug, allerdings ist es aus der Sicht der Gefährdung kein Thema", meinte SUJB-Chefin Dana Drabova laut Nachrichtenagentur CTK. Die Chefin der Umweltschutzbewegung "Südböhmische Mütter", Monika Machova-Wittingerova, meinte hingegen, der Störfall sei ein Beweis für die schlechte Arbeit des Personals des Kraftwerkes.
Es handelt sich bereits um dritten Vorfall in Temelin in dieser Woche. Zunächst war im zweiten Block des Kraftwerkes eine undichte Ölleitung festgestellt worden und die Turbine abgeschaltet worden. Als das Personal versuchte, die Turbine wieder ans Netz anzuschließen, wurde diese nach 20 Minuten von dem Kontrollschutzsystem automatisch wieder abgeschaltet. Mittlerweile läuft der zweite Block wieder - am Donnerstag um 11.00 Uhr auf 92 Prozent. Zwischen den beiden Unfällen gebe es keinen Zusammenhang, sagte Nebesar.
Was den ersten Block Temelins betrifft, so ist dieser seit längerem planmäßig abgeschaltet. Der Grund ist der alljährliche Austausch eines Viertels der Brennstäbe.
(APA/red)
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