Schwerer Störfall in schwedischem AKW: Vier der zehn Atomkraftwerke stehen still
- Restliche sechs AKWs laufen trotzdem normal weiter
In Schweden stehen nach einem schweren Betriebsfehler im Atomkraftwerk Forsmark vergangene Woche vier der insgesamt zehn Reaktoren des Landes still. Nun wurden nach zwei Blöcken in Forsmark vor einer Woche auch zwei der drei Reaktoren im AKW Oskarshamn abgeschaltet. Als Grund nannte die Betreibergesellschaft OKG, dass die Sicherheit der Anlage nicht garantiert werden könne.
Zuvor war im AKW Forsmark 1 nach einem Kurzschluss bei Arbeiten an einer Schaltanlage die automatische Ingangsetzung der Reservegeneratoren ausgefallen. Die schwedische Strahlensicherheitsbehörde SKI stufte den Fehler als "Störfall" ein - zwei auf der bis sieben reichenden International Nuclear Event Scale (INES). Forsmark 1 wurde daraufhin abgeschaltet, der konstruktionsgleiche Block 2 befindet sich in einer wartungsbedingten Abschaltungsphase.
Restliche sechs AKWs laufen normal weiter
Die beiden nun ebenfalls gestoppten Reaktoren in Oskarshamn weisen ähnliche Konstruktionsmerkmale auf und sollen bis zum Vorliegen einer Analyse durch die Strahlensicherheitsbehörde abgeschaltet bleiben. Die restlichen sechs AKW in Schweden - je eines in Forsmark und Oskarshamn sowie die vier Blöcke in Ringhals an der schwedischen Westküste bleiben in Betrieb, da laut einem Sprecher von SKI keine Zweifel an deren Betriebssicherheit besteht.
Der Störfall in Forsmark hat in Schweden eine heftige politische Debatte ausgelöst. Während die Grünen eine umfassende Überprüfung der Sicherheit forderten und die sozialdemokratische Umweltministerin Lena Sommestad auch Bereitschaft gezeigt hat, eine solche nach Vorliegen des SKI-Berichts über den Forsmark-Störfall in Erwägung zu ziehen, signalisierten SKI und die bürgerlichen Oppositionsparteien wenig Verständnis dafür.
Auch finnisches AKW von Sicherheits-Lücke betroffen
Ebenfalls für Diskussionen sorgte eine Information des Sicherheitschefs von Forsmark, Ingvar Berglund, wonach der Mangel im elektrischen Versorgungssystem seit Beginn der neunziger Jahre bestanden hat, die Lieferfirma die Kraftwerksleitung darüber aber nicht in Kenntnis gesetzt hat. Der selbe Fehler dürfte auch in den beiden bestehenden Reaktoren im finnischen AKW Olkiluoto bestehen. Berglund zufolge wurden nun die Betreiber von Olkiluoto - der finnische Energiekonzern TVO sowie die Internationale Atomenergiebehörde IAEO von dem Vorfall informiert.
Schweden hält politisch derzeit an dem 1980 in einer Volksabstimmung fixierten langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie fest. In den kommenden Jahren soll allerdings an allen drei verbliebenen Standorten die Leistungsfähigkeit der verbliebenen zehn Reaktoren ausgebaut werden - die Regierung hat dafür Grünes Licht gegeben. Schweden bezieht rund 50 Prozent seines Energiebedarfs aus Atomenergie.
(APA/red)
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