Dienstag, 1. August 2006

Algenalarm vor Küste Genuas: Opfer
leiden an Hautausschlägen und Vergiftungen

  • An einem Tag elf Menschen in Spitäler gebracht
  • An allen Stränden wurde Badeverbot verhängt

Eine tropische Alge ist für eine zunächst rätselhafte Wasservergiftung verantwortlich, die für Panik an den Stränden in der Nähe von Genua sorgt. Elf Touristen mussten ins Spital eingeliefert werden, nachdem sie gebadet oder sich in der Nähe des Wassers aufgehalten hatten.

Mehrere Badegäste hatten bis zu 38 Grad Fieber, litten unter Atembeschwerden und Bauchkrämpfen, berichteten die Behörden. Experten stellten fest, dass die Vergiftung auf eine große Konzentration der Alge Ostreopsis Ovata in den Gewässern vor Genua zurückzuführen ist. Die Mikroorganismen, die Licht und Wärme mögen, haben sich in den vergangenen Tagen rasant vermehrt und das Wasser verseucht.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die tropische Alge in Genua für Aufregung gesorgt. Dutzende mussten wegen Vergiftung behandelt werden. Der Bürgermeister von Genua, Domenico Pericu, hat jetzt für zwei Tage das Baden an den 15 Kilometer langen Stränden der Stadt verboten.

Die Alge stammt aus tropischen Seen, hat sich aber in den vergangenen Jahren wegen der steigenden Temperaturen auch im Mittelmeer verbreitet. Sie gedeiht vor allem in Gewässern mit hoher Konzentration von Stickstoff und Phosphaten in der Nähe von Abwasserkanälen. Die giftige Alge kann ein Massensterben von Fischen verursachen. Bei Menschen kann sie hohes Fieber, Durchfall und Husten auslösen, berichteten Experten. Mängel an Kläranlagen werden für die Algenseuche verantwortlich gemacht. Bereits in den vergangenen Monaten waren den Behörden hohe Stickstoffwerte im Wasser vor der Küste Genuas gemeldet worden.

An der ligurischen Küste befürchtet man nun große Imageschäden. "Die Badesaison war bisher gut. Diese Alge droht unser Sommergeschäft zu zerstören", klagte ein Hotelier in Genua. Der Umweltschutzverband Legambiente fordert ausgedehnte Kontrollen, um die Verbreitung der tropischen Alge Ostreopsis Ovata festzustellen. "Wir müssen kontrollieren, welche Auswirkungen diese Alge auf die Fische hat", sagte der Legambiente-Präsident Ermete Realacci.

Doch nicht nur die giftige Algenart macht Norditalien zu schaffen. Vor der thyrrenischen Küste zwischen Rom und der Toskana sind größere Algenteppiche gesichtet worden, die die Tourismusorganisationen zutiefst beunruhigen. Betroffen sind vor allem die bekannten Badestrände von Focene und Santa Marinella, meldeten italienische Medien. Zwei Kilometer Strand unweit des Ferienorts Fregene bei Rom wurden gesperrt. Die Behörden warten nun auf die Kontrollen der Experten.(apa)

1.8.2006 11:26