Donnerstag, 3. August 2006

Wunsch an die künftige Regierung: Für Schönborn Sorge um soziale Lage vorrangig!

  • "Schere zwischen arm und reich geht auseinander"

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn betonte zu den bevorstehenden Nationalratswahlen, dass die soziale Entwicklung für die kommende Regierung auf der Prioritätenliste ganz oben stehen müsse. "Wir sind ein reiches Land, aber wir stellen fest, wie in vielen Ländern, dass die Schere zwischen den sehr gut Verdienenden und denen, die sozial abrutschen, leider stärker auseinander geht", so Schönborn.

Es sei eine zu Recht immer wieder gestellte Frage, ob diese globale Entwicklung aufgehalten werden könne oder ob es sich um Sachzwänge handle, denen man nicht entkomme, was aber nur bis "zu einem gewissen Grad" gelte. Alles zu tun, um negativen sozialen Entwicklungen gegenzusteuern, sei "sicher prioritärer Wunsch an die künftige Bundesregierung".

Kritik an OGH-Spruch zu Behinderten
Kritisch äußerte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz auch über den jüngsten umstrittenen OGH-Spruch, wonach ein Gynäkologe, der eine werdende Mutter nicht "ausreichend" über erkennbare Anzeichen einer drohenden Behinderung aufgeklärt habe, grundsätzlich für den gesamten Unterhaltsaufwand für das behinderte Kind aufzukommen habe. Dies sei eine "tragische und fatale" Entwicklung, die letztlich dazu führe, dass Behinderung als etwas "Lebensunwertes" gesehen werde. "Wir sind hier in großer Gefahr, Menschen einzuteilen in Gesunde und Behinderte - und letzteren das Lebensrecht abzusprechen", sagte Kardinal Schönborn. Er lehne alle Versuche, so genannte eugenische Praktiken zu legitimieren, auf das Entschiedenste ab: "Hier wird wirklich die 'Büchse der Pandora' geöffnet und es werden Dammbrüche riskiert, die eine Überflutung ohne Ende nach sich ziehen können".

Die in Österreich legale Spätabtreibung behinderter Föten bis zur Geburt (sofern "eine ernste Gefahr besteht, dass ein Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde", Paragraf 97 StGB), bezeichnete Kardinal Schönborn als "Schandfleck in der österreichischen Gesetzgebung". Dieser Schandfleck müsse im Sinne des Schutzes der Behinderten dringend beseitigt werden. (apa/red)

3.8.2006 12:43