Dienstag, 1. August 2006

Politik und Baby: Gratwanderung zwischen liberalem Geist & konservativem Frauenbild

  • Kinder für Glawischnig und Gastinger nicht nur Vorteil
  • Wahlkampf & Mutterschaft: Vereinbarkeit diskutiert

Weder Bierzelt-Auftritte noch Tränen der Rührung sind volksnäher: Nichts scheint sich positiver auf das Image der hohen Politik auszuwirken, als der Nachwuchs. Der Politikwissenschafter Peter Filzmaier sieht dies nicht so eindeutig, der Kindersegen für die Grüne stellvertretende Bundessprecherin Eva Glawischnig und Justizministerin Karin Gastinger bedeute im Wahlkampf auch eine Gratwanderung zwischen liberalem Geist und konservativem Frauenbild.

"Das Bild Mutter und Kind ist natürlich positiv besetzt", meint Filzmaier, "andererseits gilt der Politikerberuf als einer der härtesten". Und so stelle sich auch die Frage der Vereinbarkeit. Besonders konservativen Wählern könnte das nicht ins Bild passen. Berufstätige Mütter zwischen 30 und 45 Jahren würden aber in den Städten die entscheidende Wechselwählergruppe darstellen, "am ehesten könnten die Grünen davon profitieren", so Filzmaier.

Als Glawischnig im November 2005 ihre Schwangerschaft bekannt gab, reagierte Österreich mit einer Diskussion über die Vereinbarkeit von Wahlkampf und Mutterschaft und die Vermarktung von Schwangerschaft. Bereits 16 Jahre früher war es eine Parteikollegin von ihr, Christine Heindl, die für Aufregung und öffentliche Debatten sorgte, als sie ihr Kind im Parlament stillte.

Einen "Karriereknick" bedeutete der Nachwuchs im Jahr 2000 für die damalige FPÖ-Landesrätin Magda Bleckmann. Parteikollegen hielten die Kombination von Amt und junger Mutterschaft damals für nicht zumutbar. Im Jahr 2004 kündigte sie ihren Rückzug als FPÖ-Generalsekretärin an, als sie vom damaligen VP-Abgeordneten Fritz Grillitsch quasi ein schwarz-blaues Koalitionsbaby erwartete.

Dass Babys und Politik durchaus unter einen Hut zu bringen sind, haben Gastinger und Glawischnig bereits einige Mütter vorexerziert, so etwa die niederösterreichische Landesrätin Johanna Mikl-Leitner (V) oder Wiens Stadträtin Ulli Sima (S) und nicht zuletzt die FPÖ-Abgeordnete Barbara Rosenkranz, die neben ihrer Karriere auch zehn Kinder managt. (apa/red)

1.8.2006 14:04