Wien schrammte an Katastrophe vorbei: Vor 30 Jahren stürzte die Reichsbrücke ein
- Unglück am 1. August 1976 forderte ein Todesopfer
- Brücke wurde über vier Jahre später wiedereröffnet
Ein seinerzeit schier undenkbares Unglück jährt zum 30 Mal: Am 1. August 1976 brach die Wiener Reichsbrücke in sich zusammen. Zwischen 4.30 und 4.40 Uhr stürzte das Bauwerk in die Donau und riss einen Pkw und einen Bus mit sich in die Tiefe. Der junge Autofahrer starb, wohingegen der Buslenker unverletzt geborgen werden konnte.
Lediglich dem Umstand, dass an einem Sonntag so früh nur wenige Menschen unterwegs waren, ist es zu verdanken, dass bei dem Zusammenbruch nicht mehr Tote zu beklagen waren. Der Busfahrer überstand den Vorfall unverletzt, weil sein Gelenkbus zwar wie der Pkw in die Donau stürzte, jedoch nicht versank, sondern auf der Brückruine stehen blieb. Die Erschütterungen waren so stark, dass sie auf der Erdbebenstation der Hohen Warte registriert wurden.
Der damalige Bürgermeister Leopold Gratz (S) rief zwei Stunden nach dem Unglück einen Krisenstab ein, bei dem die Überprüfung der anderen Wiener Donaubrücken angeordnet wurde. Den Beschluss zum Neubau der Reichsbrücke fasste der Ministerrat bereits zwei Tage später, am 3. August. Im November 1980 wurde die neue Reichsbrücke unter dem offiziellen - bis heute ungebräuchlichen - Namen "Johann Nestroy" eröffnet.
Nachdem zunächst Gratz seinen Rücktritt angeboten hatte, übernahm der Wiener SP-Planungsstadtrat Fritz Hofmann die politische Verantwortung für den Einsturz und schied wenige Tage nach der Katastrophe aus dem Amt. Eine Expertenkommission gab kurz darauf bekannt, dass der linke Pfeiler der nach Ende des Zweiten Weltkrieges sanierten Brücke zum Teil mit Sand und "unverdichtetem Beton" gefüllt gewesen war. Durch das schlechte Material sei Wasser eingedrungen, was schließlich zu dem Einsturz führte.
Große Auswirkungen hatte der Brückeneinsturz für die Verkehrsentwicklung der Stadt. So wurde ein Gemeinderatsbeschluss vorgezogen, der die Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 vom Praterstern über die neue Brücke bis nach Kagran sowie den Neubau der altersschwachen Floridsdorfer Brücke vorsah. Auch die Brückenkontrollen wurden intensiviert. Heute wird die - 2003 bis 2005 generalsanierte - Reichsbrücke täglich von rund 50.000 Fahrzeugen, der U1 sowie von Fußgängern und Radfahrern frequentiert.
(apa/red)
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