Freitag, 28. Juli 2006

Türkei kämpft gegen ihren Imageverlust:
Immer mehr Touristen meiden das Land

  • Acht Prozent Rückgang bei ausländischen Touristen
  • Gründe: Karikaturenstreit, Hühnergrippe, Anschläge

Diesen Sommer plagt sich das Urlaubsreiseland Türkei sein angekratztes Image wieder aufzupolieren. Angefangen hat alles mit dem Karikaturenstreit zu Jahresbeginn, dann kamen noch die Vogelgrippe und die neuerlichen Anschläge wodurch die Buchungen zurückgegangen sind. Laut den aktuellsten Daten des türkischen Statistikamtes ist die Zahl der ausländischen Besucher von Jänner bis Juni 2006 um acht Prozent auf 7,88 Millionen zurückgegangen.

Nach den touristischen Hoch der vergangenen Jahre hat die Türkei seit dem Sommer des Vorjahres herbe Rückschläge einstecken müssen. Im Juni des laufenden Jahres konnte bei den Ankünften ausländischer Touristen zwar wieder einiges wettgemacht werden, die knapp 2,4 Millionen ausländischen Gäste, die wieder in die Türkei kamen, sind aber immer noch 1,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im ersten Quartal 2006 musste das türkische Statistikamt noch ein Minus von 14 Prozent bei den ausländischen Reisenden vermelden. Positiver hat im Juni der Inlandstourismus mit Plus 4,1 Prozent abgeschnitten. An die 847.000 türkische Urlauber haben den Vormonat für Reisen im eigenen Land genutzt.

Urlauber sollen vergessen
In Ankara hoffte man nach der Buchungsdelle im Vorjahr auf das rasche Vergessen der Urlauber aus Europa. Die Vogelgrippe, die ihren Höhepunkt in den ersten Monaten des Jahres 2006 in der Türkei hatte, tat ihr übriges, um dem Reiseland einen miserablen Start für das heurige Jahr zu verschaffen. Der Karikaturenstreit war nur eine weitere Episode, um der Mittelmeer-Destination ein schlechtes Image zu verpassen.

Der Schein trügt
Mit einem Sprengstoffanschlag im Juni 2006 in der traditionell von Deutschen und Briten stark frequentierten türkischen Riviera und ihren Zentren Antalya und Alanya wurde die Vogel-Strauss-Politik der Zuständigen in Ankara prolongiert. Nach dem Motto, was nicht sein darf, kann auch nicht sein, wurde versucht, den Anschlag als Unfall herunterzuspielen. Schließlich gehört die Tourismusbranche zu den wichtigen Einnahmequellen des EU-Beitrittskandidaten. Allein für heuer rechnet die Türkei wieder mit 20 Mrd. US-Dollar (15,7 Mrd. Euro) Tourismus-Einnahmen.
(APA/red)

28.7.2006 11:37