Lebende Zellen wirken wie kleine Batterien:
Strom lässt Wunden schneller heilen!
- Versuche mit Zellkulturen und Tieren erfolgreich
- Forscher hoffen auf neue Behandlungsmethoden
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Strom kann nicht nur schwere Wunden und Verbrennungen verursachen, sondern - richtig angewendet - auch heilen. Wie ein Team von Wissenschaftern aus Österreich, Schottland, den USA und Japan nun herausfand, kann Elektrizität einen wesentlichen Einfluss auf die Wundheilung haben. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse zur Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden speziell von schlecht heilenden Wunden führen. Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht.
Die Spannungen, die dabei angewendet wurden, haben nichts mit Stromstößen aus der Steckdose zu tun. Vielmehr werden Felder angelegt, die auch natürlicherweise in Hautwunden vorkommen. Wissenschafter wissen schon seit längerem, dass es in Verletzungen der Haut eine so genannte Wundelektrizität gibt. Dies ist ein messbares Phänomen, das über mehrere Tage anhält. Es entsteht dadurch, dass lebende Zellen wie kleine biologische Batterien wirken. Ein Schnitt etwa verursacht eine Art Kurzschluss und es kommt zu einem elektrischen Feld am Wundrand.
Bei ihren Untersuchungen an Haut, Blutzellen, und Hornhaut entdeckte das Forscherteam nun, dass sich die Einwanderung von Zellen in eine Wunde durch Anlegen von elektrischen Feldern beschleunigen lässt. "Mit dieser Arbeit konnten wir erstmals den wissenschaftlichen Beweis erbringen, dass es für die Rolle des Stroms bei der Wundheilung eine genetische Basis gibt", erklärte Penninger.
Die Forscher haben nämlich auch gleich die Gene und Proteine erforscht, welche hinter dem Phänomen stecken. Als wichtigstes Molekül wurde das Enzym PI3K identifiziert. Durch experimentelle Blockade des Gens für PI3K konnte nämlich die Reaktion auf elektrische Felder sowohl in isolierten Zellen als auch in Geweben unterdrückt werden.
Um die Wundheilung zu studieren, verwendeten die Forscher Zellkulturen von menschlicher Haut und Hornhaut von Ratten. Nach einer Verletzung wachsen benachbarte Zellen in die Wunde ein und verschließen sie dann. Durch Anlegen eines elektrischen Feldes konnte genau diese Zellwanderung beschleunigt werden. Eine Umkehrung des elektrischen Feldes bewirkt hingegen eine Ausweitung der Wunde und damit verlangsamte Wundheilung.
Verzögerte Wundheilung stellt die Mediziner immer wieder vor Probleme, zum Beispiel bei Diabetikern. Nun haben die Forscher berechtigte Hoffnungen auf neuartige Therapieformen. Dabei ist jedoch nicht an das Anlegen von Elektroden gedacht, sondern an die Entwicklung von Substanzen, die in den Transport von Ionen (geladenen Atomen, Anm.) innerhalb von Geweben eingreifen. Damit können gezielt elektrische Felder aufgebaut werden.
(apa)
