Donnerstag, 27. Juli 2006

Gas-Preisschock in Österreich: Vorarlberg erhöht Erdgas-Preis um satte 18 Prozent!

  • OÖ & Kärnten: Gas kostet ab Herbst um 9% mehr
  • Kosten bleiben in Wien, NÖ, Tirol und Salzburg gleich

Gas in Österreich wird wegen der hohen Energie-Einkaufspreise massiv teurer. Gleich mehrere Landesversorger haben eine kräftige Preisanhebung für September bzw. Oktober - also noch vor den Nationalratswahlen - angekündigt. In Vorarlberg wird Erdgas ab 1. Oktober gleich um 18 Prozent oder monatlich durchschnittlich 12 Euro teurer, in Kärnten hebt die Kelag die Preise per 1. September um 8 Prozent an.

Den Anfang mit einer Ankündigung höherer Erdgaspreise ab September hatte vor zwei Wochen die Erdgas Oberösterreich gemacht. Sie präzisierte,ebenso wie die "Linz AG", dass die Gaspreise in Oberösterreich um sieben bis neun Prozent angehoben werden. Wien, Niederösterreich, Burgenland, Tirol, Salzburg und die Steiermark dagegen planen vorerst für den Herbst keine Gaspreis-Anhebung.

Rekordpreise für Erdöl
Hintergrund für die starken Preisprünge bei Gas sind die Rekordpreise für Erdöl. Die internationalen Einkaufspreise für Gas folgen dem Ölpreis üblicherweise mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten. Der Nahost-Konflikt hatte den Ölpreis Mitte Juli auf das Rekordhoch von 78 Dollar (61,2 Euro) je Fass (159 Liter) getrieben. Schon seit Ende Juni liegt der Öpreis konstant über 70 Dollar.

Der Geschäftsführer der Vorarlberger Erdgas GmbH (VEG), Erwin Kopf, erklärte in einem Schreiben an die Kunden, das Unternehmen sei gezwungen, die steigenden Produzenten- und Vorlieferantenpreise mit Verzögerung an die Kunden weiterzugeben. Konkret beträgt die Preiserhöhung in Vorarlberg 0,8 bzw. 0,9 Cent/kWh (ohne Mehrwertsteuer), womit der Gesamtabgepreis je nach Tarifzone zwischen 5,75 und 6,41 Cent/kWh liegen wird. Betroffen sind davon rund 26.000 Haushaltskunden. Kopf betonte aber, dass Erdgas auch nach der bevorstehenden Preiserhöhung um fünf bis zehn Prozent günstiger bleibe als Heizöl Extra Leicht.

Kärnten erhöht um 16 Prozent
Auch in Kärnten wird die so genannte Energiekomponente im Gaspreis um 16 Prozent erhöht, auf den Gesamtpreis wirkt sich das laut Kelag mit einem Anstieg um durchschnittlich 7,9 Prozent aus. Die Erhöhung gilt sowohl für Privat- als auch für Gewerbekunden. Laut Kelag schlägt sich diese Teuerung bei einem Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 15.000 Kilowattstunden (kWh) mit 66 Euro Mehrkosten pro Jahr nieder.

Heftige Proteste kamen aus der Kärntner Politik: SPÖ-Klubchef Peter Kaiser wetterte in einer Aussendung, die Lebenshaltungskosten seien für große Teile der Bevölkerung schon jetzt kaum noch finanzierbar. Die Arbeiterkammer wies darauf hin, dass der Gaspreis der Kelag erst vor einem Jahr um zehn Prozent gestiegen sei. Und ÖVP-Obmann Josef Martinz meinte, offenbar müsse die Bevölkerung für die Gewinne des RWE-Konzerns herhalten.

Keine Erhöhung in Steiermark und Niederösterreich
In der Steiermark hieß es dagegen aus der EStag, aktuell seien keine Erhöhungen bei den Energiepreisen geplant. Ob das für Wochen oder Monate gelte, wollte - Unternehmenssprecher Urs Harnik-Lauris allerdings nicht präzisieren. Ähnlich klingt es im Burgenland: Die Situation im Hinblick auf die Energiepreise sei instabil, "Momentan" gebe es aber noch keinen Handlungsbedarf, ob sich das mittelfristig oder schon bald ändern könnte, könne man derzeit nicht seriös sagen, so Alois Grath von der Unternehmensplanung der Begas.

EVN-Sprecher Stefan Zach schloss Strom- und Gaspreiserhöhungen zumindest für den heurigen Herbst aus. Weder vor noch nach der Nationalratswahl bestehe für den Herbst ein Anpassungsbedarf. In der Wien Energie hieß es, in nächster Zeit sei "unter den derzeitigen Umständen" keine Erhöhung der Strom- und Gaspreise geplant. Auch die Salzburg AG erklärte: "Wir beobachten den Markt sehr genau und beschäftigen uns derzeit nicht mit Preiserhöhungen in Salzburg." Und bei dem zur Tiroler Tiwag gehörenden Tiroler Gasversorger Tigas verwies man unter anderem auf andere Bezugsquellen als etwa jene der Kärntner Kelag. Die Tigas kaufe stark im Norden (Deutschland) ein. Derzeit gebe es keine Überlegungen für Preiserhöhungen, hieß es. (apa)

27.7.2006 17:16