Kunden dürfen sich freuen: Streit um zu
wenig verrechnete Sparbuchzinsen beigelegt
- Banken zahlen Sparern Zinsdifferenz bis 1994 zurück
- Nachrechnung auch bei aufgelösten Sparbüchern

Im Streit um zu wenig verrechnete Sparbuchzinsen werden die österreichischen Sparer den entstandenen Schaden zurückerhalten. Konsumentenschützer und Banken haben sich darauf geeinigt, dass Sparer ab dem kommenden Jahr bei ihrer Bank die Zinsen auf ihre Richtigkeit hin nachrechnen lassen können. Bestätigt sich dabei, dass die Banken Zinserhöhungen zu spät an ihre Kunden weitergegeben haben, soll den Kunden die Zinsdifferenz nachgezahlt werden - für alle variabel verzinsten Sparbücher rückwirkend bis Anfang 1994.
"Wie erwartet sind alle Banken grundsätzlich bereit, den Fehler bei den Sparbuchzinsen zu korrigieren", sagte der für Konsumentenschutz zuständige Staatssekretär Sigisbert Dolinschek nach Abschluss der Gespräche mit Bankenvertretern.
Auch bei bereits aufgelösten Sparbüchern können die Sparer die Zinsen nachrechnen lassen. Die Sparbücher müssen allerdings noch physisch vorhanden sein.
Hälfte der Sparbücher betroffen
Bei rund der Hälfte der variabel verzinsten Sparbücher haben die Banken die Sparbuchzinsen nicht korrekt der allgemeinen Zinsentwicklung angepasst. Zu diesem Ergebnis kommt der Verein für Konsumenteninformation in einer Grobschätzung auf Grundlage von 2.400 analysierten Sparbuchdaten und einem aus der Sekundärmarktrendite der Bundesanleihen und 3-Monats-Euribor zusammengesetzten Vergleichsindikator.
Bei 10 bis 20 Prozent davon komme es zu höheren Abweichungen, wo es sich auszahle, Rückforderungen zu stellen, sagte Konsumentenstaatssekretär Sigisbert Dolinschek.
Die einzelnen Kreditinstitut sind von den unkorrekten Zinsanpassungen in etwa gleich stark betroffen. Den höchsten Anteil weisen laut VKI mit 55 Prozent Sparbücher der Hypos auf, danach folgen die Volksbanken mit 50 Prozent.
49 Prozent der Sparbücher der Bank Austria Creditanstalt und Raiffeisen-Banken weisen laut VKI ebenfalls fehlerhafte Zinsanpassungen auf, bei BAWAG P.S.K, Erste Bank und Sparkassen sind es jeweils 47 Prozent, bei der Oberbank dagegen "nur" 45 Prozent.
BA-CA startet Nachzahlungen im Herbst
Um wieviel Geld es dabei geht, können die Banken selbst noch nicht sagen. Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) wird bereits nach dem Sommer mit den Nachrechnungen und Nachzahlungen beginnen, hieß es aus der Bank.
"Wir haben keine Ahnung, wie viel es werden kann, nachdem auch alte Sparbücher gebracht werden können", sagte der Sprecher. Die BA-CA würde dahingehend aber schon seit einiger Zeit Kundenbeschwerden entgegennehmen und momentan die EDV vorbereiten. Schon kurz nach dem OGH-Urteil habe man begonnen, Formular zur Verfügung zu stellen.
Die Erste Bank werde bis 1. Jänner 2007 so weit sein, dass sie eine Lösung zum Zurückrechnen anbieten kann, hieß es aus der Erste Bank. Gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) werde man eine korrekte Berechnung ausarbeiten. Über Volumen und Anzahl der von Nachzahlungen betroffen Sparbücher könne nichts gesagt werden, da auf Grund der Rückrechnung bis 1994 auch anonyme Sparbücher betroffen sein können. Dabei sei offen, ob auch diese eingereicht werden. Die Frage werde sein, wer reicht ein und wer nicht bzw. auch, ob es wert ist, einzureichen und ob die bereits geschlossenen Sparbücher noch vorhanden sind.
Die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) werde die Sache "offensiv" angehen. "Es wird alles nachgerechnet, wir in Wien sind keine Bremser", hieß es aus der RLB. Die RLB wie auch andere befragte Banken konnten derzeit noch keine Details zum bei ihnen betroffenen Volumen nennen.
(apa/red)

