Alpine Mayreder für 480 Mio. Euro verkauft:
Spanischer Konzern FCC bekommt Mehrheit
- 75% der österreichischen Baugruppe abgetreten
- Spanier wollen auch 6 Prozent-Anteil der Erste Bank
Der spanische Baukonzern Fomento de Construcciones & Contratas SA (FCC) übernimmt die Mehrheit an der zweitgrößten österreichischen Baugruppe, der Salzburger Alpine Mayreder. Der Kaufpreis wird auf der Homepage des spanischen Konzerns mit 480 Mio. Euro angegeben. FCC, Spaniens drittgrößter Baukonzern, will mit dem Einstieg bei Alpine Mayreder in den Markt in Mittel- und Osteuropa einsteigen.
Der Deal sieht vor, dass die spanische Holding 75 Prozent an Alpine Mayreder von der Unternehmerfamilie Pappas übernimmt. Zudem sei geplant, weitere 6 Prozent von der Erste Bank in den nächsten Wochen zu kaufen, bestätigte der spanische Konzern mit seiner Aussendung einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Nach der Mehrheitsübernahme von Alpine Mayreder durch die spanische FCC wird der langjährige Firmenchef und Miteigentümer Dietmar Aluta-Oltyan weiter seine 20,73 Prozent Anteile an der Alpine Holding GmbH behalten. "Für Alpine ist dieser neue Mehrheitseigentümer eine große Bereicherung", erklärte er in einer Aussendung. Alpine und FCC Construccion hätten bereits bei diversen Projekten erfolgreich zusammen gearbeitet. Die weiteren Expansionsschritte von Alpine seien damit "endlich möglich und gesichert", so Aluta.
Alpine war in Deutschland vor allem durch den Bau der Allianz-Arena in München und die damit verbundene Schmiergeld-Affäre in die Schlagzeilen geraten. Aluta, der den Konzern seit Jahrzehnten geleitet hat, war in der Affäre rund um die Allianzarena in München im Februar zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung und einer saftigen Geldstrafe verurteilt worden. Bereits zuvor hatte er sich aus seinem Spitzenposten im operativen Geschäft in die Holding zurück gezogen, ein Schritt, der in der Öffentlichkeit mit dem Vergaberecht begründet wurde.
In Österreich ist Alpine gemeinsam mit der deutschen Baufirma Hochtief zuletzt als Bestbieter für die Nordautobahn A5 hervorgegangen - ein Rechtsstreit mit den unterlegenen Konkurrenten ist noch im Gange. Den laut FCC-Aussendung 790 Mio. Euro schweren Auftrag dennoch schon mitberücksichtigt, erzielt Alpine heuer voraussichtlich eine Bauleistung von 2,8 Mrd. Euro bei einem prognostizierten operativen Gewinn (EBITDA) von 115 Mio. Euro. Der Unternehmenswert liegt laut FCC bei 725 Mio. Euro, inklusive Nettoschulden von 130 Mio. Euro.
Die börsenotierte spanische FCC kauft mit der Alpine Mayreder bereits ihr zweites Unternehmen in Österreich. Erst im März hatte der Baukonzern, der auch in anderen Servicebereichen tätig, etwa bei der Müllabfuhr, Abwasser oder Transport tätig ist, um 229 Mio. Euro die Abfall Service Austria (ASA) vom französischen Energiekonzerns Electricite de France (EdF) übernommen.
Die FCC, entstanden aus einer Fusion zweier Großfirmen aus Madrid und Barcelona 1992, kommt knapp an den größten österreichischen Baukonzern Strabag heran und ist rund vier Mal so groß wie die Alpine-Gruppe. Der Konzern beschäftigt weltweit knapp 70.000 Mitarbeiter und hat im Vorjahr 7,1 Mrd. Euro umgesetzt.
Spaniens Baukonzerne zählen zu den am raschsten wachsenden Unternehmen der Branche - profitierten sie doch unter anderem durch einen Boom im spanischen Wohnungsbau, der noch dazu durch niedrige Zinsen und hohe Staatsausgaben im Straßen- und Bahnbau unterstützt wird. Alleine in den vergangenen zwei Monaten hat FCC für 1,4 Mrd. Pfund (2,05 Mrd. Euro) die britische Waste Recycling Group, für 1,1 Mrd. Euro 51 Prozent den spanischen Zementerzeuger Uniland und für 4,8 Mrd. Kronen (169 Mio. Euro) den tschechischen Wasserversorger SmVAK übernommen.
In der österreichischen Bauwirtschaft sprach man im Vorfeld des Deals von "Monopolgewinnen" spanischer Konzerne, die angelegt werden wollten. Auf dem österreichischen Markt müssten die Spanier aber mit einem schärferen Wettbewerb und niedrigeren Margen wie in Spanien rechnen, wo großzügig EU-Mittel in den Infrastrukturausbau geflossen seien, prophezeite Porr-Vorstandschef Horst Pöchhacker seinem neuen Konkurrenten schon Mitte Juni.
(apa/red)

