Dienstag, 25. Juli 2006

Einigung im Fluglotsen-Konflikt erreicht: Motivation in Form von mehr Geld bis 2007

  • Schrittweise Aufstockung des Personals bis 2011
  • Notwendiger Stand wird frühestens 2009 erreicht

Fluglotsen bekommen mehr Geld bis 2007 - Personalaufnahme greift Österreichs Fluglotsen erhalten kurzfristig mehr Geld und mittelfristig mehr Personal: Bis 2007 sieht der ausverhandelte Kompromiss von Personalvertretern der Gewerkschaft Handel, Transport und Verkehr (HTV) und der Flugsicherung Austro Control (ACG) erhöhte Zulagen für Ausbildung und geleistete Überstunden vor. In den nächsten 1,5 Jahren soll der Personalstand um 10 Prozent erhöht werden, bis 2011 ist eine weitere Aufstockung um 15 Prozent auf mehr als 300 Fluglotsen vereinbart. Aber erst mit Anfang 2008 wird mit einer Entspannung der Arbeitssituation gerechnet.

Mit der erzielten Einigung können "beide Seiten leben", erklärte der Vorsitzende der Fachgruppe Flugsicherungsbetrieb in der HTV, Norbert Payr. Die Kernforderung der Gewerkschaft nach Stundenreduktion wurde erreicht, wenn sie auch erst mittelfristig ab 2008 greift. Die Forderung nach 20 Prozent Einkommenserhöhung für die Lotsen stand nicht zur Debatte, sagte Payr. Er gehe davon aus, dass der Kompromiss von den Fluglotsen akzeptiert werde.

Austro Control-Generaldirektor Christoph Baubin erklärte dazu, die ausverhandelten finanziellen "Incentives" bis Ende 2007 seien eine besondere Anerkennung für die Belastungssituation der Fluglotsen. Diese sei gebunden an ein Pünktlichkeitsziel, dass im Durchschnitt erreicht werden müsse. Ansonsten würde die Zulage wieder gekürzt werden.

Die Austro Control hat einen Plan zur massiven Personalaufstockung bis zum Jahr 2011 vorgelegt, verbunden mit einer Senkung der Überstunden, den die Gewerkschaft akzeptiert habe, so der Gewerkschafter. Ab 2008 soll die Stundenzahl von derzeit 35 Stunden auf 32,5 Wochenstunden sinken. Gleichzeitig würden ab heuer jährlich 30 Trainees ausgebildet. Damit sei mit 2009 der annähernd notwendige Personalstand erreicht.

Mehr Geld als Motivation
Kurzfristig heißt es für die Fluglotsen aber weiter, Arbeitszeiten bis zu 180 Monatsstunden zu absolvieren, inklusive der "Ad-hoc"-Überstunden von bis zu 45 Überstunden. Als "Motivation" für die Belastungen bis 2008 gebe es mehr Geld in Form von Zulagen.

Weiters gab es für Payr eine klare Übereinstimmung zwischen Gewerkschaft und Austro Control bei der "Kapazitätseinschränkung zu Gunsten der Sicherheit", wenn keine anderen Maßnahmen greifen. Austro Control-Chef Baubin sagte zur APA, es gebe das "Primat der Sicherheit vor Kosten und Pünktlichkeit" und selbst vor Umweltverträglichkeit. Bei der Sicherheit würden keine Einschränkungen gemacht.

Die Austrian Airlines (AUA) gab unterdessen heute auf einer Pressekonferenz bekannt, dass sich die bisherigen direkten Kosten durch die Flugverspätungen auf Grund der knappen Personallage bei der Austro Control auf 5,8 Mio. Euro belaufen würden, davon seien allein 3 Mio. Euro im Juli angefallen. Diese Summe wolle die AUA der Austro Control in Rechnung stellen, erklärte AUA-Chef Alfred Ötsch.

Eine Forderung, die dem Austro-Control-Chef bis dato nicht bekannt war, "weder in der Höhe noch in der rechtlichen Begründung". Er könne sich nicht vorstellen, was die Rechtsgrundlage sein könne. Diese müsse erst rechtlich geprüft und begründet werden. (apa/red)

25.7.2006 12:35