Alles neu bei Renate Götschl: Karriereende
ist für die Speed-Queen kein Thema mehr
- Ski, Schuhe und die Trainingsgruppe gewechselt
- Servicemann von Michaela Dorfmeister engagiert
Alles neu bei Renate Götschl: Nach einem enttäuschenden Olympia-Winter und anschließender Knie-Operation hat sich die bald 31-jährige Speed-Queen zum Weitermachen durchgerungen und dabei nicht nur Ski, Schuhe und Bindung (Atomic) und den Servicemann (Andi Berger) der zurückgetretenen Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister übernommen, sondern auch die Trainingsgruppe gewechselt.
Was die eigentliche Überraschung ist, denn Götschl trainiert ab sofort nicht mehr in der von Jürgen Graller betreuten Abfahrts/Super-G-Gruppe mit Alexandra Meissnitzer, Elisabeth Görgl, Marlies Schild usw., sondern in der Weltcupgruppe 3, die vergangenes Jahr gegründet wurde, um Verletzten, Nachzüglern und jungen Läuferinnen speedmäßig auf die Beine zu helfen. Dort trifft sie nun auf Brigitte Obermoser, Ingrid Rumpfhuber, Astrid Vierthaler, Katja Wirth und Regina Mader.
"Es hätte in der anderen Gruppe einfach nicht mehr funktioniert, ich habe ein anderes Umfeld benötigt", umschrieb Götschl die Gründe für ihren persönlich motivierten Wechsel. In der WC3 trainiert sie nun unter dem ehemaligen Herren-Coach Kurty Mayr. Den Skiwechsel begründete die Siegerin von 20 Weltcup-Abfahrten und 13 Super G so: "Nach sechs Jahren mit Salomon habe ich einfach persönlich eine neue Motivation gesucht. Und Atomic ist nahe, da geht vieles viel schneller."
Neue "Zauberlatten" getestet
Die Obdacherin wird den Sommer damit in Europa verbringen, denn während die übrigen ÖSV-Teams in Neuseeland üben, bleibt ihre Gruppe wieder daheim und trainiert in Zermatt. Derzeit wird auf dem Mölltaler Gletscher der erste Schneekurs absolviert und nach sieben Tagen auf den neuen "Zauberlatten" nickt Götschl und meint anerkennend. "Das Gefühl ist wirklich sehr gut!"
Dass Dorfmeisters Erfolge auf dem Altenmarkter Produkt eine schwere Bürde sind, ist Götschl bewusst. "Kann schon sein, dass das einige so sehen. Aber ich bin eine andere Läuferin und ich will in erster Linie eine gute Saison haben. Zumindest eine besser als die vergangene."
Karriereende kein Thema mehr
Götschl gesteht mittlerweile freimütig ein, nach dem Olympiawinter kurz aber intensiv über ein Karriereende nachgedacht zu haben. Dann überwog aber doch die Lust, noch einige Ziele erreichen zu wollen. Das sind in erster Linie die WM im Februar in Aare sowie die beiden Speed-Weltcups. Die große Kristallkugel sei hingegen trotz der neuen Superkombis nichts mehr für sie, versicherte die Gesamtsiegerin von 1999/2000. "Das ist was für die Jungen. So wie die drauf sind, hast mit 30 Jahren nicht mehr viel Licht."
Dafür ist nicht auszuschließen, dass Österreichs zweifache Sportlerin des Jahres sogar noch eine weitere Saison anhängt. Auch Dorfmeister hatte mit 33 Jahren bekanntlich ihre größten Erfolge und Götschl würde nur zu gerne den Klammer-Rekord von fünf Abfahrtsweltcup-Gesamtsiegen biegen. "Mehr kann ich mir aber nicht mehr vorstellen", beteuert Götschl. Wichtig sei, dass sie die vergangene Saison abgeschlossen habe, "denn die war bis auf Cortina wirklich sehr schwer."
Eine neue Situation, "aus der ich viel gelernt habe. Jetzt macht es aber wieder Spaß, ich freu mich richtig auf den kommenden Winter!"
(apa/red)
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