Donnerstag, 27. Juli 2006

Verschwörung oder Paranoia? Moggi wehrt sich: "Juventus ist Opfer eines Komplotts"

  • Ex-Juve-Manager plant nun Comeback im Calcio
    Reformer resignieren: "Machen so weiter, wie bisher"
  • PLUS: Inter Mailand zum neuen Meister ernannt

Der ehemalige Sportdirektor von Juventus Turin, Luciano Moggi, wehrt sich gegen den Vorwurf, Drahtzieher des kolossalen Manipulationsskandals im italienischen Fußball zu sein. "Ich bin Opfer von Leuten, die abgehörte Telefongespräche ohne Beweise interpretiert und die Wahrheit verzerrt haben", erklärte Moggi in einem Interview in Turin. "Big Luciano" hat nach den milden Urteilen wieder Lunte gerochen und redet bereits großspurig von einem Comeback. Die Reformer indes resignieren. "Wir haben die WM gewonnen, ansonsten machen wir so weiter, wie bisher", meint Ex-Staatsanwalt Gerardo d'Ambrosio.

Der 68-jährige Moggi versicherte, dass keine Telefongespräche aufgezeichnet worden seien, in denen er mit Schiedsrichtern persönlich spreche. Moggi gab zwar zu, Freund der Ex-Schiedsrichterkoordinatoren Paolo Bergamo und Pierluigi Pairetto zu sein. Er wies jedoch den Vorwurf zurück, ihnen die Namen der Referees zugeflüstert zu haben, die er für die Juve-Meisterschaftsspiele wünschte. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weil ich nichts Illegales gemacht habe. Ich werde weiterhin Juventus verteidigen, weil der Klub Opfer einer Ungerechtigkeit ist. Man versucht, dem Verein zu schaden", betonte Moggi.

Moggi redet von Comeback
Inter Mailand bejubelt noch seinen "Meistertitel der Ehrlichen", da redet der verurteilte Fußball-Pate Luciano Moggi schon von seinem Comeback. Nach dem gnädigen Berufungsurteil im Fußball-Skandal verebbt die Reformwelle in Italien und die alte Garde kommt wieder aus der Deckung: "Ich bin nur im Urlaub", sagte Moggi, der sich und seinen Ex-Klub Juventus Turin zu Unrecht verurteilt sieht.

"Machen so weiter, wie bisher"
Ex-Staatsanwalt Gerardo d'Ambrosio fürchtet nach dem lauten Skandal-Geschrei sogar die leise Rückkehr zum alten System: "Wir haben die WM gewonnen, ansonsten machen wir so weiter, wie bisher", sieht d'Ambrosio den Fußball in Italien nicht vor dem viel beschworenen "Neuanfang nach der Stunde Null".

Der Chef-Ankläger des italienischen Fußballverbands (FIGC), Francesco Saverio Borelli, denkt nach Angaben der "La Gazzetta dello Sport" deshalb bereits über seinen Rückzug nach. Am Donnerstag wollte der kommissarische FIGC-Präsident Guido Rossi ihn zum Bleiben überreden. "Wenn Borelli geht, geht auch Rossi", meinte die Zeitung. Die Reformer fürchteten tatsächlich, dass die beiden wichtigsten "Aufräumer" im italienischen Fußball aufhören könnten.

"Ich hoffe, Rossi bleibt und hilft uns weiter bei den Reformen", sagte Sportministerin Giovanna Melandri. Aus den Reihen der Mitte- Rechts-Opposition wird jedoch längst schon der Rücktritt des Juristen und Managers gefordert.

Während Rossi seine Arbeit bis spätestens Ende des Jahres zu Ende bringen will, scheint Borelli am Sinn seiner Ermittlungsarbeit zu zweifeln. Vor allem gegen den AC Milan hatte der ehemalige Oberstaatsanwalt von Mailand härtere Strafen gefordert. Noch ermittelt der pensionierte Jurist weiter in Sachen Liga-Manipulationen und hat jetzt Reggina Calcio im Visier.

"Big Luciano" kämpft wieder
Während Borelli schon wieder für neue Anklagen vor den Sportgerichten arbeitete und diverse Staatsanwaltschaften ihre langwierigen Zivilprozesse vorbereiten, hoffen die Verurteilten auf Freisprüche in den Berufungsverhandlungen. "Wollen wir doch erstmal sehen, ob sie mich aus dem Fußball herausbekommen", kündigte Moggi einen Gang durch alle Instanzen an. Seine zwischenzeitliche Resignation ist verflogen - "Big Luciano" kämpft wieder.

"Juve hat sich nichts vorzuwerfen, alle Vorwürfe werden entkräftet werden", glaubt Juves Ex-Manager an einen Freispruch für den Rekordmeister vor einem Zivilgericht. Zuständig ist das Verwaltungsgericht (TAR) in Rom. Juristen räumen Juve dort jedoch keine Chancen auf eine kurzfristige Aufhebung des Zwangsabstiegs in die zweite Liga ein. Wenn das Gericht die Berufung überhaupt zulasse, werde es die Urteile des Sportgerichts nicht außer Kraft setzen, sondern sie in einem langwierigen Verfahren prüfen, meinen die Juristen.

Der Status quo sei damit erstmal geschaffen. Abschließend ernannte der Verband Inter deshalb auch zum Meister 2006. Überschwänglich bejubelt wurde der 14. Titel bei Inter allerdings nicht. "Ich empfinde große Genugtuung, wir haben uns korrekt verhalten", sagte Club-Besitzer Massimo Moratti. Trainer Roberto Mancini freute sich über "den Titel für die Ehrlichen". Moggi dagegen bezichtigte Inter auch der Einflussnahme.

(apa/red)

27.7.2006 13:51