ORF-Wahl wird ein Zweikampf: Rennen
zwischen Lindner und Lorenz ist eröffnet
- Neun Bewerbungen für Posten des Generaldirektors
- PLUS: "profil" - Mück für Missstände verantwortlich!
·ORF-Mück für Miss-stände verantwortlich
'profil': Kommission sieht
"strikten Führungsstil"
·Fiedler wehrt sich gegen Behauptung
"profil": Mitarbeiterin Honorare zugeschanzt?
·Evaluierungsbericht kritisiert Zustände
"Beleidigende und frauen- feindliche Äußerungen"
Monika Lindner gegen Wolfgang Lorenz lautet bis 17. August das Rennen um die Führung des ORF. Die derzeitige ORF-Chefin und der ORF-Programmplaner, beide gelten als bürgerlich, haben sich wie erwartet um den Posten des ORF-Generaldirektors beworben. Lindner und Lorenz gelten fürs Erste als aussichtsreichste Kandidaten für den Top-Job am Küniglberg.
Als Außenseiterin geht Post-Generalsekretärin Viktoria Kickinger in die entscheidende Phase der ORF-Wahl. Kickinger war bis 1998 zwölf Jahre im ORF tätig. Insgesamt gibt es neun Bewerbungen für die ORF-Generaldirektor. Neben Lindner, Lorenz und Kickinger sind dies Wolfgang Srb, der Vorstand der Rapid AG, Kurt Plattner, General Manager für Zentral- und Osteuropa bei der Österreich-Tochter des US-Computerkonzerns Unisys, der Filmproduzent Wolfgang Frey (er trat bereits 2001 an) und der Regisseur Peter Grundei. Über die Bewerber Thomas Pfeiffer und Bob Quarz war selbst in der Suchmaschine Google nichts zu finden.
Nicht beworben haben sich Ex-News-Chef Rudi Klausnitzer und der frühere ORF-Journalist und n-tv-Chef Helmut Brandstätter. Diese wurden zuletzt ebenfalls als potenzielle Kandidaten gehandelt. Klausnitzer und Brandstätter könnten aber von Mitgliedern des Stiftungsrates noch bis 10. August nachnominiert werden. Gleiches gilt für Alexander Wrabetz. Zuletzt verdichteten sich Hinweise, dass der Kaufmännische Direktor des ORF mit Unstützung von SPÖ- und BZÖ-nahen Stiftungsräten am 10. August noch ins Rennen einsteigen könnte. Ihm werden derzeit neben Lindner und Lorenz die besten Wahlchancen gegeben.
Schüssel-Empfehlung Grabner sagt ab
Der Holtzbrinck-Manager Michael Grabner, dem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel angeboten haben soll, an die Spitze des ORF zu wechseln, hat indes abgewunken. Er fühle sich sehr geehrt, für diese Funktion im Gespräch gewesen zu sein, doch müsse er absagen: "Mein bestehender Vertrag mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erlaubt mir keinen Wechsel vor 2008", wird Grabner im Nachrichtenmagazin "profil" zitiert.
Der ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher rührt für Wolfgang Lorenz die Werbetrommel und will mit verschiedensten Stiftungsräten darüber rede. Lorenz sei "mit Abstand die bedeutendste Führungsfigur im jetzigen ORF. Ich wüsste keinen anderen, der in der Lage ist, den ORF neu aufzustellen", so Bacher im "profil".
Fiedler macht sich für Lindner stark
ORF-Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler kündigte hingegen an, Monika Lindner wieder wählen zu wollen. Das Direktorenteam müsse freilich stimmen. "Lindner wird wieder Generaldirektorin, Mück Informationsdirektor", so Fiedlers Prognose. Wolfgang Lorenz wäre demnach ein "ausgezeichneter Programmdirektor".
Für die Wahl des ORF-Generaldirektors, die vom ORF-Stifungsrat vorgenommen wird, braucht es die Stimmen von mindestens 18 der 35 Mitglieder des obersten ORF-Aufsichtsgremiums. Sah es noch vor wenigen Wochen nach einer klaren Sache für Monika Lindner aus, scheint nun der Ausgang der Wahl nach Meinung verschiedener Stiftungsräte jedenfalls wieder offener.
Die nächsten zweieinhalb Wochen bringen die entscheidende Phase für die ORF-Wahl. Bis 10. August können weitere Kandidaten von Stiftungsräten nachnominiert werden. Am 16. August veranstalten ORF-Betriebsräte ein Hearing mit den aussichtsreichsten Bewerbern, am 17. August kommt es dann mit Hearings und Wahl im ORF-Stiftungsrat zum Finale.
Mediensprecher begrüßen Kandidaturen
Neun Kandidaten haben sich für das Rennen auf den Chefposten am Küniglberg in Stellung gebracht - aber es wird wohl "ein Stechen zwischen Monika Lindner und Wolfgang Lorenz werden", ist der Grüne Mediensprecher Stefan Schennach überzeugt. Trotzdem begrüßten die Mediensprecher der vier Parlamentsparteien im Gespräch mit der APA, dass sich auch andere Kandidaten beworben haben. Josef Cap (S) betonte, dass vor allem auch die Bewerbung von Post-Generalsekretärin Viktoria Kickinger "sehr ernsthaft zu prüfen" sei.
Kickinger, die als SPÖ-nah gilt, sei "bisher immer sehr erfolgreich tätig" gewesen, so Cap. Sie sei eine "seriöse Kandidatin", wenngleich sie "nicht von der Partei gebeten" wurde, sich zu bewerben. Hinsichtlich der Kandidatur von Lindner und Lorenz, die beide als ÖVP-nah gelten, ortete Cap einen Richtungsstreit innerhalb der ÖVP. "Es ist auffallend, dass die ÖVP zwei Kandidaten nominiert" - nun gelte es, die Unterschiede zwischen beiden herauszufinden.
Nach seinen Informationen hätten jedenfalls beide Bewerber den bisherigen TV-Chefredakteur Werner Mück in ihrem Team. Der sei der Hauptverantwortliche für die "Krise im ORF", so der SPÖ-Politiker. Der Bericht der Untersuchungsgruppe, der am Freitag vorgelegt wurde, hätte "diese Vorwürfe ja bestätigt".
Schennach äußerte sich wiederum positiv darüber, dass "die ÖVP mit zwei Kandidaten antritt und nicht versucht, einen Kandidaten von vorn bis hinten durchzuziehen." ÖVP-Mediensprecher Wilhelm Molterer zeigte sich angesichts der derzeitigen Bewerbungen abwartend: "Wir wissen ja, dass auch andere noch in den Ring steigen. Ich höre, dass sich Wrabetz (ORF-Finanzdirektor Alexander, Anm.) nominieren lässt." Zu den vorliegenden Kandidaten wollte er sich nicht äußern, die Bewertung sei Sache der Stiftungsräte.
Hinsichtlich des Berichts der Evaluierungsgruppe, die die kolportierten Vorwürfe gegen Chefredakteur Mück untersucht hat, stellte er sich auf die Seite des Leiter des VP-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, Kurt Bergmann. "Das war ein Sturm im Wasserglas, der Versuch von Rot und Grün, eine Person unter Druck zu setzen." Das sei keine Medienpolitik, sondern der Versuch "einen Menschen fertig zu machen".
Der orange Mediensprecher Uwe Scheuch gab sich in seiner Bewertung des Berichts weit vorsichtiger: "Wir haben schon länger Zweifel an der Vorgangsweise von Lindner und Mück angemeldet, nun hat sich gezeigt, das Teile der Zweifel berechtig waren." Allerdings solle man daraus keine voreiligen Schlüsse ziehen. Auf die Frage, ob ein Kandidat, der Werner Mück auf seiner Besetzungsliste führt, für das BZÖ nicht wählbar sei, sagte Scheuch: "Ich schließe da gar nichts aus." Insgesamt gelte es nun, die Konzepte der Bewerber genau zu prüfen. Für das BZÖ seien dabei Ziele, Team und Strategien wichtig - "Namen sind zweitrangig".
(apa/red)
