Freitag, 28. Juli 2006

Rekord-Marke wurde erreicht: Noch nie war es im Juli so heiß wie diesen Sommer!

  • Frankreich: 64 Menschen Hitze zum Opfer gefallen
  • 100 Tote in Kalifornien. PLUS: Genaue Prognose!

Temperaturen jenseits der 35 Grad-Marke machen es möglich: Der Juli 2006 wird der heißeste seit es verlässliche Wetteraufzeichnungen gibt. Europa stöhnt unter der Hitze, allein in Frankreich forderte sie schon 64 Todesopfer. Die Durchschnittstemperaturen sind um drei bis vier Grad übertroffen worden, teilte Emmanuel Legrand vom französischen Wetterdienst Meteo-France mit. Selbst im Norden ist es heiß: den Schweden geht schon das Eis aus.

Der heißeste Sommermonat der vergangenen 50 Jahre bleibt jedoch der August 2003, als fast 15.000 Menschen durch die Gluthitze starben. Die Hitzewelle lässt Frankreichs Bauern um ihre Lavendel-Ernte bangen: Im Südosten des Landes gingen viele Landwirte inzwischen von Einbußen zwischen zehn und 30 Prozent aus, in Extremfällen könnten es sogar 50 Prozent sein, erklärte der Verband der französischen Lavendel- und Lavendin-Hersteller am Donnerstag in Marseille.

Die rund 2.000 betroffenen Bauern müssten damit erneut mit einem schlechten Jahr rechnen und bräuchten nun Unterstützung. Lavendel wird unter anderem für die Parfumherstellung verwendet.

Rekord-Juli in der Schweiz
Bereits vor Ende des Monats heißt es auch aus der Schweiz: Noch nie seit Messbeginn vor 142 Jahren dürfte der Juli nördlich der Alpen und in den Bergen so heiß gewesen sein wie 2006. Die langjährigen Temperaturmittel wurden in der Schweiz verbreitet um 4,5 bis 5,5 Grad übertroffen.

In Zürich stieg die Tagesmitteltemperatur auf 22,5 Grad und in Genf auf 23,8 Grad, wie MeteoSchweiz am Donnerstag mitteilte. Die bisherigen Rekordwerte vom Juli 1883 lagen in Zürich bei 22,0 und in Genf bei 23,0 Grad.

Anders die Verhältnisse auf der Alpensüdseite: Dort war es im Juli mit einem Tagesmittelwert von 24,3 Grad zwar ebenfalls sehr warm. Doch der Höchstwert von 25,0 Grad aus dem Jahr 1928 blieb unerreicht. Die Tagesmitteltemperaturen werden in der Schweiz seit 1864, also seit 142 Jahren, systematisch aufgezeichnet.

Schweden geht das Eis aus
Angesichts der Hitzewelle geht den Schweden das Eis aus: 15 der 50 von seinem Unternehmen vertriebenen Marken seien ausverkauft, sagte Magnus Carlsson von der Vertriebsfirma Hemglass. Das Unternehmen musste schon andere Produkte vom Mutterunternehmen Nestle zukaufen und hofft auf Zulieferungen von der finnischen Schwesterfirma Valio.

Der Hersteller GB Glass meldete, seine Mitarbeiter führen Sonderschichten und arbeiteten auch am Wochenende, um die durch die ungewöhnliche Sommerhitze gestiegene Nachfrage zu befriedigen. Schwedische Schleckermäuler verzehren im Jahr durchschnittlich 12,5 Liter Eiscreme pro Kopf.

Blackout in London
Durch die anhaltende Hitze und auf Grund von Problemen in der Versorgung hat es in der Innenstadt von London einen Stromausfall gegeben. Der Anbieter war gezwungen, die Stromzufuhr für tausende Konsumenten herunterzufahren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

EDF Energy erklärte, dass mehr als 3.000 Menschen in Soho davon betroffen und für vier Stunden ohne Strom waren. Der Ausfall betraf auch die U-Bahn-Station Oxford Station, eine der meist frequentierten. Der Bahnverkehr konnte aber aufrechterhalten werden, teilte die Verkehrsbehörde mit.

Fast 100 Tote in Kalifornien
Die seit knapp zwei Wochen andauernde Hitzewelle in Kalifornien hat bislang fast 100 Menschen das Leben gekostet. Bis Donnerstag seien 98 Opfer gezählt worden, deren Tod vermutlich mit den extrem hohen Temperaturen in Zusammenhang stehe, teilten Leichenbeschauer mit. In einigen Gegenden gingen die Temperaturen zwar leicht zurück, lagen aber immer noch nahe 40 Grad Celsius. (apa/red)

28.7.2006 08:30