Donnerstag, 27. Juli 2006

Belgrad dementiert Mladic-Berichte: Kein serbischer Haftbefehl gegen Ex-Militärchef

  • Wegen vorhandenem Haftbefehl aus Den Haag
  • Serben mehrheitlich gegen eine Auslieferung Mladics

Die serbische Regierung hat Berichte dementiert, sie habe einen Haftbefehl gegen den seit über zehn Jahren wegen Kriegsverbrechen angeklagten Ratko Mladic erwirkt. Es bestehe bereits ein Haftbefehl vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, begründete der für das Tribunal zuständige Politiker Rasim Ljajic diese Position.

Dagegen hatte die Zeitung "Danas" zuvor berichtet, mit einem solchen neuen Haftbefehl und einer Belohnung solle die Verhaftung des früheren Militärchefs der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) ermöglicht werden. Ein Tribunalsprecher hatte gegenüber dem Blatt einen serbischen Haftbefehl und eine Belohnung begrüßt.

Belgrad hatte vor kurzem einen geheimen "Aktionsplan" zur Ergreifung von Mladic vorgelegt, mit dem die Europäische Union (EU) dazu bewegt werden soll, die im Mai wegen Mladic unterbrochenen Verhandlungen über eine Annäherung Belgrads an Brüssel wieder aufzunehmen. Noch in der letzten Woche hatten Medien unter Berufung auf serbische Gerichtsakten zahlreiche Wohnungen samt Adressen in Neu-Belgrad veröffentlicht, wo sich der Ex-General bis zum Jänner versteckt gehalten haben soll. Die Regierung behauptet, sie wisse nichts über dessen Versteck.

Mladic wird unter anderem die Ermordung von bis zu 8000 bosniakischen Zivilisten im Juli 1995 in Srebrenica und den jahrelangen Beschuss Sarajevos mit Hunderten Toten zur Last gelegt.

Serben mehrheitlich gegen Auslieferung Mladics
Die Bürger Serbiens sind gegen eine Auslieferung Mladics. Bei einer Umfrage, die im Auftrag der Belgrader Behörde für die Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal angefertigt wurde, sprachen sich 51 Prozent der Befragten gegen eine Auslieferung aus, 34 Prozent waren dafür.

Zwei von fünf Serben - 40 Prozent - betrachten die Zusammenarbeit mit dem Haager Gericht als "notwendiges Übel", 36 Prozent sind dagegen. Nur zwölf Prozent sprachen sich laut der Tageszeitung "Blic" für eine bedingungslose Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal aus.

(apa/red)

27.7.2006 18:24