Mittwoch, 26. Juli 2006

Weltweit kein Ende der Megahitze in Sicht: Europa und Kalifornien schwitzen weiter

  • "Historische Hitzewelle" in USA: Über 50 Tote
  • 40 Todesopfer in Frankreich - Tornado in Italien

Europa stöhnt weiter unter der Rekordhitze. Am Dienstag stiegen die Temperaturen in Südspanien, im Südwesten Frankreichs und im Nordwesten Italiens erneut auf rund 35 Grad Celsius. In Deutschland werden am Donnerstag im Südwesten und in Brandenburg Temperaturen von bis zu 39 Grad Celsius erwartet. Im italienischen Turin beschädigte ein Tornado rund 50 Autos und mehrere Häuser. Auch in Teilen der USA hat das heiße Wetter Auswirkungen: In Kalifornien starben mehr als 50 Menschen an Folge der hohen Temperaturen.

Am Donnerstag könnten in manchen Orten Deutschlands die Rekordwerte aus dem Jahrtausendsommer 2003 fallen. Die besonders für die Bauern problematische Trockenheit wird nach den Prognosen des Deutschen Wetterdiensts auch weiter anhalten. Zwar würden ab Freitag einige Schauer und Gewitter aufziehen, diese seien aber örtlich sehr begrenzt. Bauern in Polen, Frankreich und den Niederlanden warnten bereits davor, dass die Hitze ihre Ernte verringern könnte.

Etwa 40 Tote in Frankreich
Die seit mehr als zwei Wochen anhaltende Hitzewelle hat bisher in Frankreich etwa 40 Menschen das Leben gekostet. Diese neueste Bilanz gab ein Forschungsinstitut für Seniorengesundheit in Paris bekannt. Bei vielen der Opfer handelt es sich um ältere Menschen. Institutschef Gilles Brücker machte zum Vergleich darauf aufmerksam, dass in Frankreich im Schnitt täglich fast 1.600 Menschen sterben. Die dreiwöchige Bruthitze im August 2003 hatte in Frankreich nahezu 15.000 Hitzetote gefordert.

Umweltschützer kritisierten eine Ausnahmegenehmigung für Frankreichs Atomkraftwerke, die wegen der Hitze wärmere Abwässer in die Flüsse leiten dürfen. Die Folgen für Fische in den Gewässern seien nicht absehbar, erklärte die Umweltorganisation Agir pour l'environnement. Die Tierschutzliga Roc warnte, Frankreichs Flüsse drohten durch den hohen Wasserbedarf der Atomkraftwerke zu Rinnsalen "ohne mögliches Leben" zu werden.

Über 50 Tote in Kalifornien
Eine Hitzwelle in Kalifornien hat mehr als 50 Menschen das Leben gekostet. Wie die "Los Angeles Times" am Mittwoch berichtete, gab es die meisten Opfer im küstenfernen Central Valley, wo seit zehn Tagen Temperaturen von über 41 Grad Celsius gemessen werden.

Eine 73-jährige Frau wurde in ihrem Fahrzeug ohnmächtig und starb, in einem Billighotel in Sacramento wurden drei Bewohner tot aufgefunden. In den Räumen sei es "wahnsinnig verrückt" heiß gewesen, wurde Feuerwehr-Chef James Doucette vom "San Francisco Chronicle" zitiert.

"Dies ist eine historische Hitzewelle" mit "extremen" Temperaturen, warnte Joe Desmond, Staatssekretär für Energiefragen. Zum ersten Mal in 57 Jahren würden in dem gewöhnlich kühleren Nordkalifornien und im Süden des Westküstenstaates gleichzeitig Rekordtemperaturen verzeichnet. In Fresno im Central Valley kletterte das Thermometer am Dienstag auf knapp 45 Grad.

Windhose in Turin
Eine durch die große Hitze erzeugte Windhose zerknickte in Turin am Dienstagmorgen Straßenlampen, riss Äste von Bäumen und trug Dächer ab. In der Region Trentino war die Feuerwehr bei schwerem Sturm die ganze Nacht zum Dienstag im Einsatz. Heftige Regenfälle lösten Erdrutsche aus und ließen Flüsse über die Ufer treten. In weiten Teilen des Landes herrschte weiter höchste Hitze-Alarmstufe.

Stromausfall in Tschechien
In Tschechien haben die seit Wochen hochsommerlichen Temperaturen zu einer Überlastung des Starkstromnetzes geführt. Zahlreiche Leitungen seien deshalb ausgefallen, sagte ein Sprecher der halbstaatlichen Gesellschaft für Energieverwaltung CEPS in Prag: "Zu einigen Kraftwerken haben wir derzeit keinen Kontakt."

Heißester Sommer seit 227 Jahren
Noch nie seit der Messung der Temperaturen war es in Warschau so heiß wie in diesem Sommer. Der Juli war der wärmste Sommermonat seit 227 Jahren, berichtete die "Gazeta Wyborcza". Mit einer Durchschnittstemperatur von 23,2 Grad Celsius - die Abkühlung während der Nacht wurde dabei einberechnet - war der Juli in der polnischen Hauptstadt etwa fünf Grad wärmer als im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre, hieß es weiter.

(apa/red)

26.7.2006 10:58