Dienstag, 25. Juli 2006

Angesichts der blutigen Gewalt in Bagdad: USA wollen Truppen in Hauptstadt verlegen

  • Bush und al-Maliki einigen sich bei Treffen in USA
  • Mindestens 16 Menschen nach Anschlägen im Irak tot

Angesichts der Gewalt in Bagdad wollen die USA weitere Soldaten in die irakische Hauptstadt verlegen. Das kündigte US-Präsident Bush am Dienstag nach einem Treffen mit dem irakischen Premier Maliki in Washington an. Außerhalb Bagdads habe sich die Lage entspannt, so dass Soldaten von dort in die Hauptstadt verlegt werden könnten. In der Stadt fallen täglich etwa 100 Menschen Gewalttaten zum Opfer.

Maliki und der Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak, General George Casey, hätten sich darauf verständigt, in den kommenden Wochen weitere amerikanische und irakische Truppen in Bagdad zu stationieren, sagte Bush bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irakischen Regierungschef. Maliki bezeichnete das Gespräch mit Bush als fruchtbar und umfassend. Beide Seiten seien entschlossen, den Terrorismus zu besiegen.

Die USA würden im Kampf gegen die Aufständischen weiter an der Seite des Irak stehen, versicherte Bush dem Gast. Maliki dankte dem US-Präsidenten und dem amerikanischen Volk für ihre Unterstützung.

Bush und Maliki sprachen auch über die Kämpfe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Bush bezeichnete die Aussprache als "freimütig". Maliki hatte Israels Militärschläge im Südlibanon scharf kritisiert und eine sofortige Waffenruhe gefordert. Die USA betonen dagegen das Selbstverteidigungsrecht Israels, wegen der Entführung zweier ihrer Soldaten und der Bedrohung durch die Hisbollah.

Unterdessen ging das Blutvergießen im Irak weiter. Mindestens 16 Menschen kamen bei Anschlägen und Kämpfen ums Leben. Außerdem wurden die Leichen von 14 Menschen gefunden, die offenbar hingerichtet wurden. Unbekannte Bewaffnete entführten in der Nähe der nordirakischen Stadt Baquba fünf Landarbeiter, folterten und erschossen sie. In Bagdad starben am Montagabend vier Polizisten bei einem heftigen Feuergefecht mit Aufständischen.

Die Leichen der fünf Landarbeiter, die am Dienstag von der Polizei gefunden wurden, wiesen Spuren von Folterungen auf. Baquba ist die Hauptstadt der Provinz Diyala nördlich von Bagdad, die mehrheitlich von Sunniten bevölkert ist, in der aber auch viele Schiiten und Kurden leben. In Suwayra, 40 Kilometer südlich von Bagdad, wurden die Leichen von sieben Menschen gefunden, die offenbar hingerichtet worden waren. Bei Falluja fanden Sicherheitskräfte die Leichen von zwei durch Schüsse getöteten Personen.

In der den Schiiten heiligen Stadt Kerbala, 100 Kilometer südlich von Bagdad, wurden am Dienstag ein Agraringenieur und ein 65-jähriger Mann erschossen, teilten Krankenhausärzte mit. Am Vortag waren in der Stadt bei verschiedenen Überfällen sieben Menschen ermordet worden.

Bei dem Feuerkampf in der berüchtigten Bagdader Haifa-Straße mit vier toten Polizisten wurden auch 36 Menschen verletzt. Die Ordnungshüter waren in einen Hinterhalt der Aufständischen geraten. Ein Polizist wurde durch die Explosion einer Bombe am Straßenrand getötet, ein weiterer Polizist durch Schüsse aus einem vorbeifahrenden Auto. Im Ort Ishaqi nördlich von Bagdad wurde ein Polizist auf dem Weg zur Arbeit erschossen.

Bei einem Gefecht zwischen US-Truppen und der Miliz des radikalen schiitischen Predigers Moktada al-Sadr starben in Diwaniya, 200 Kilometer südlich von Bagdad, ein Militanter und zwei Zivilisten, fünf weitere Zivilisten wurden verletzt, bestätigte die örtliche Polizei. Auf der Hauptstraße zwischen Bagdad und Kirkuk starben zwei Lkw-Lenker, als ihre Tankwagen mit Granaten beschossen wurden. Ein Wagen ging in Feuer auf. Bei einem Autobombenanschlag auf eine US-Militärpatrouille im nordirakischen Mossul wurden vier Personen verletzt.

Zwei US-Soldaten kamen bei zwei separaten Zwischenfällen in der westlichen Provinz Anbar durch "feindliche Aktivitäten" ums Leben. Dies gab das US-Militärkommando in Bagdad in der Nacht zum Dienstag bekannt, ohne Einzelheiten zu nennen.

Japan beendet Militärmission
Japan beendete indes seine historische Militärmission im Irak. Nach dem zweieinhalbjährigen Einsatz kehrten am Dienstag die letzten 280 Soldaten in ihre Heimat zurück. Sie waren im Irak am Wiederaufbau der Infrastruktur beteiligt. Entsprechend der japanischen Verfassung waren sie nicht bewaffnet und auch nicht für Kampfeinsätze ausgerüstet. Es war der größte und gefährlichste Einsatz der japanischen Streitkräfte seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
(apa/red)

25.7.2006 18:41