"Wir für Schüssel": Prominente Personen machen Wahlkampf für den Bundeskanzler
- Pechlaner, Raidl & Co. in "unabhängigem Komitee"
- Aus SP plant Unterstützungskomitee für Gusenbauer
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Die Präsentation eines "Unabhängigen Personenkomitees" für den jeweiligen Spitzenkandidaten gehört zur Wahlkampfinszenierung der Parteien - nun ist jenes der ÖVP an die Öffentlichkeit getreten. Es nennt sich "Wir für Schüssel" und will - unabhängig von der Partei - vor allem Nicht- und Wechselwähler motivieren, bei der Nationalratswahl für Kanzler Wolfgang Schüssel und die ÖVP zu stimmen. Mit dabei: Böhler-Uddeholm-Generaldirektor Claus Raidl, die Vorarlberger Speditions-Unternehmerin Heidegunde Senger-Weiss und Tiergarten-Direktor Helmut Pechlaner.
Geleitet wird das Personenkomitee von Christian Gehrer, Sohn der Bildungsministerin und Geschäftsführer des ÖVP-nahen Management Clubs. Er will in den kommenden Wochen "Wir für Schüssel"-Zuständige in allen Bundesländern finden. Ziel ist laut Raidl eine "breite Bewegung" für Wolfgang Schüssel "über Parteigrenzen hinweg". "Wir wollen letztlich, dass er gewinnt", betont Raidl.
Lobeshymnen für Schüssel
Für den ÖVP-Spitzenkandidaten ist man folglich voll des Lobes: Unter Schüssels Kanzlerschaft habe sich viel getan, sagte Raidl und nannte die Pensionsreform, die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie sowie die Privatisierungs- und Steuerpolitik. Fazit des ÖVP-Beraters und Schüssel-Vertrauten über dessen Regierungszeit: "Österreich steht heute besser da." Und: "Wir wollen letztlich dass er gewinnt."
Senger-Weiss fasziniert besonders die "klare, berechenbare Politik" des Bundeskanzlers, Pechlaner dessen "Verlässlichkeit". Für ihn ist es allein das Verdienst des damaligen Wirtschaftsministers Schüssel, dass der Tierpark Schönbrunn vor 16 Jahren nicht geschlossen wurde. Dass sie mit ihrem Engagement bereits ihren Einstieg in die Politik vorbereiten, weisen Raidl ("30 Jahre als Nachwuchshoffnung sind genug"), Senger-Weiss und Pechlaner ("mit Sicherheit nicht") zurück.
Auch ÖSV-Chef Schröcksnadel dabei
Weitere Gründungsmitglieder der "Wir für Schüssel"-Initiative: Kathrin Gürtler, Rechtsanwältin und ÖVP-Bezirksrätin in der Wiener Innenstadt, Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel, Star-Köchin Johanna Maier, der frühere EU-Kommissar Franz Fischler sowie Andrea Zauner-Dungl, die bereits als Wahlwerberin für Benita Ferrero-Waldners Präsidentschafts-Kampagne im Einsatz war.
Die Tätigkeit des Personenkomitees soll laut Raidl "unabhängig von der ÖVP" abgewickelt und über Spenden finanziert werden. Geplant sind unter anderem Zeitungs-Inserate mit Positiv-Zitaten über Schüssel ("Testimonials"). Plakatserien seien derzeit nicht vorgesehen, betont Gehrer. Für den Internet-Auftritt wurde über einen ÖVP-nahen Verlag bereits eine Homepage reserviert, die demnächst online gehen soll (www.erfolgreich.at).
Auch SPÖ plant Komitee
Auch die SPÖ will im Wahlkampf mit einem Personenkomitee für ihren Spitzenkandidaten Alfred Gusenbauer werben. An die Öffentlichkeit treten soll die Gruppe "in den nächsten Wochen", heißt es in der SP-Zentrale. Namen und Mitglieder der Initiative will man noch nicht preisgeben, allerdings sollen neben Prominenten auch "normale Menschen" mitmachen dürfen. Am "Wir für Schüssel"-Komitee um Böhler-Chef Claus Raidl lässt die SPÖ indessen kein gutes Haar.
Darabos: "VP-Komitee nicht unabhängig"
Für SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos bietet das "tiefschwarze ÖVP-Personenkomitee" für Bundeskanzler Wolfgang Schüssel "keine Überraschungen": Raidl bezeichne sich selbst als langjährige ÖVP-Personalhoffnung, auch die anderen Proponenten seien "durchwegs dem Dunstkreis der ÖVP zuzurechnen", so Darabos im SP-Pressedienst. Und auch die Tatsache dass die Internet-Adresse www.wir-fuer-schuessel.at direkt auf die ÖVP-Homepage führt zeigt für den SP-Politiker, dass die Initiative keinesfalls parteipolitisch unabhängig sei.
Unabhängig vom geplanten Gusenbauer-Komitee wirbt übrigens bereits seit Jahresbeginn eine Initiative namens "Change 06" (www.change06.at) für die SPÖ. Betreiber sind der Rechtsanwalt und Gusenbauer-Freund Gabriel Lansky sowie der frühere SP-Finanzminister Ferdinand Lacina.
Promi-Hilfe auch für Grüne und BZÖ
Neben den beiden Großparteien planen auch Grüne und BZÖ Personenkomitees für ihre Spitzenkandidaten. An die Öffentlichkeit treten sollen die Gruppen allerdings erst nach den für Ende August geplanten Wahlkampf-Auftaktveranstaltungen. Einzig die FPÖ verzichtet auf organisierte Unterstützung durch parteinahe Promis, will aber "Testimonials" einzelner Sympathisanten in den Zeitungen inserieren.
(apa/red)
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