Montag, 7. August 2006

"Okay, ich gebe es zu": Ex-Olympiasieger Wolfgang Schwarz acht Jahre hinter Gitter

  • Geplante Entführung von Millionärstochter geplatzt
  • Geständnis bringt mildes Urteil - Geldgier als Motiv

Wolfgang Schwarz, Eiskunstlauf-Olympiasieger 1968 in Grenoble, ist einstimmig wegen versuchter Bestimmung zur erpresserischen Entführung schuldig gesprochen worden. Der 59-Jährige kam allerdings mit einem "blauen Auge" davon: Bei einem Strafrahmen von zehn bis 20 Jahren machte das Schwurgericht vom außerordentlichen Milderungsrecht Gebrauch und verhängte acht Jahre Haft.

"Die Milderungsgründe haben im vorliegenden Fall die Erschwerungsgründe bei weitem überwogen", hieß es in der Urteilsbegründung. Vor allem sein in der Verhandlung überraschenderweise abgelegtes Geständnis dürfte den Ex-Sportler vor einer höheren Strafe bewahrt haben.

Mildernd wurden ihm weiters die Tatsache, dass das beabsichtigte Kidnapping einer 18-jährigen Millionärstochter im Versuchsstadium geblieben war, sowie der Umstand angerechnet, "dass bei objektiver Betrachtung der Erfolg nicht hätte eintreten können", wie der Vorsitzende feststellte.

Demgegenüber fand das Gericht mit dem getrübten Vorleben des Angeklagten - Schwarz war im Dezember 2002 wegen Menschenhandels zu eineinhalb Jahren verurteilt worden, nachdem er Frauen aus dem Baltikum nach Österreich gelotst hatte, um sie hier der Prostitution zuzuführen - nur einen Erschwerungsgrund, so dass man Milde walten ließ.

Berufung gegen mildes Urteil
Staatsanwalt Christian Temsch war damit nicht einverstanden. Er meldete sofort Strafberufung an. Auch Wolfgang Schwarz schien die Vorstellung, die nächsten Jahre im Gefängnis verbringen zu müssen, nicht zu behagen. Er akzeptierte das Urteil vorerst nicht, sein Verteidiger Herbert Eichenseder erbat Bedenkzeit.

Der Staatsanwalt hatte zuvor dem verblassten Goldmedaillen-Gewinner "einen ganz einmaligen Charakterzug" bescheinigt. Das Rotlicht-Milieu, die Halb- und Unterwelt würden auf Schwarz "eine geradezu unerklärliche Anziehungskraft" ausüben: "Er kann von der Kriminalität nicht die Finger lassen."

Kidnapping von Millionärstochter geplant
Laut Anklage hatte Schwarz am 19. und 21. Oktober 2005 in Wien einen Rumänen aufgefordert, die Tochter jenes reichen Mannes zu kidnappen, dem er 2002 sein Haus am Laaer Berg verkauft hatte. Er zeigte dem vermeintlichen Kidnapper das Haus und auch einen Geldübergabeort für die in weiterer Folge geplante Erpressung des Bürgermeisters der ebenfalls in Rumänien liegenden Stadt Slanic-Moldova, der sein lebenslustiges Töchterchen zeitweilig in Wolfgang Schwarz' früherem Zuhause wohnen ließ.

Ehe Schwarz seine Pläne in die Tat umsetzen konnte, schritt jedoch die Polizei ein, die von der Sache Wind bekommen hatte. Für den einstigen Kufen-Flitzer klickten neuerlich die Handschellen.

"Okay, ich gebe es zu"
"Okay, ich gebe es zu, es war meine Idee, die Frau zu entführen. Ich kann Ihnen dafür keine Erklärung geben", zeigte sich Schwarz nun schuldeinsichtig. "Motiv des Ganzen ist natürlich Geldnot, Geldgier. Zwei bis drei Millionen Euro kann jeder brauchen", hatte Staatsanwalt Christian Temsch eine solche parat, die noch dazu plausibel klang. Diese Summe hätte laut Anklage der Vater des auserkorenen Opfers zahlen sollen, wäre der Coup geglückt.

(apa/red)

7.8.2006 14:42